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Tiere, ich bin, ohne mich rühmen zu wollen, vielleicht zu stark rein wissenschaftlich veranlagt. Daß eine Frau wie ich die Modetorheiten meines Geschlechts – ich verstehe darunter nicht nur den äußeren Tand, sondern auch das krampfige Bestreben der modernen Frau, es dem Manne gleichzutun und die ihnen versagte wahre Lebenserfüllung durch verlogene, hohle Redensarten zu bemänteln – daß ich diese „Mode“ belächle, ist wohl selbstverständlich. Ich lese die Aufsätze und Schriften dieser Damen, und ich schaffe mir dadurch viele heitere Stunden. Ich denke dann immer an den Scherz von der Vollversammlung der Frauenrechtlerinnen, die durch eine im Saale auftauchende Maus zur Panik wird. Ich lebe wie Sie abseits vom Alltag, nur mit dem Unterschied, daß ich, Mr. Abelsen, ein Ziel vor Augen habe, während Sie sich vom Schicksal treiben lassen und deshalb – verzeihen Sie – nur ein Abenteurer ohne Selbstsucht und von größerem Ausmaß sind. Ein Mann ohne Streben bleibt ein Vagabund, der Multimillionär, der nur genießt und nicht arbeitet, bleibt Parasit. – Sie sind nicht empfindlich, sonst würde ich es nicht wagen, Ihnen so den Spiegel vorzuhalten.“

Nein – ich war nicht empfindlich. Ein ironisches Lächeln quittierte über diese Standpauke[1]. „Miß Garden, – wer sich vom Schicksal treiben läßt, kann trotzdem sehr viel Gutes schaffen. Der Vagabund, der auf der Landstraße beobachtet, wie Strolche

  1. Vorlage: Stadtpauke
Empfohlene Zitierweise:
Max Schraut: Die Herrin der Unterwelt. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1930, Seite 120. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Herrin_der_Unterwelt.pdf/121&oldid=- (Version vom 31.7.2018)