Seite:Die Lesung derer Romans, als ein sehr bedenkliches Mittel seine Schreibart zu verbessern.djvu/5

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Die Teutschen ließen sich im Anfange mit Uebersetzungen begnügen; nachdem sie aber angefangen, andern Völkern in allen Künsten und Wissenschaften nachzuahmen, so haben sie auch, wie die Spanier, Franzosen und Italiener, ihre eigene Schriftsteller. Menantes und Talander sind sattsame Zeugen. Viele Verfasser haben ihre Namen verschwiegen, oder sich, (wie diese) falsche beygeleget.

Es ist zu beklagen, daß die Erfinder vieler Dinge nicht können ergründet werden; so geht es auch mit den Romanen. Diese Unwissenheit rühret daher, weil alle Sachen einen geringen Anfang haben, da denn die Geschichtschreiber den Zeitpunct zu bemerken vergessen; doch soll Heliodorus, der die Würde eines Bischoffs in Tricka, in Thessalien, bekleidete, der eigentliche Erfinder dieser Bücher gewesen seyn, an den Hieronymus Briefe geschrieben, und dessen der berühmte Vossius Lib. III. p. 290. gedenket. Sein Roman heißt Aethiopica, die Hauptpersonen in diesem Werke sind Theagenes und Chariclea. Allein wie wurde ihm diese große Mühe belohnet? sehr schlecht. Zu seinem größten Schaden und Unglück hatte er dieses Buch verfertiget, denn er wurde von der noch damals sehr eifrigen christlichen Kirche deswegen seines Amtes und Würde beraubet. Nicephorus ist hiervon L. XII. c. 32. ein gültiger Zeuge. Ihm ahmte ein Erzbischoff in Rheims, mit Namen Turpin, nach, der die Geschichte Carls des Großen, und Rolands, romanenmäßig beschrieben hat.