Seite:Die Lesung derer Romans, als ein sehr bedenkliches Mittel seine Schreibart zu verbessern.djvu/7

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die sich doch ohnedem öfters genung bey denen Menschen einfinden, und diese durch Beyspiele anzufeuern. Wir läugnen aber, daß sie von Leuten zum Zeitvertreibe gelesen werden. Denn betrachte man nur einige Liebhaber dieser Bücher, machen sie nicht ein rechtes Geschäffte daraus, bringen sie nicht ganze Werkeltage und ganze Nächte, ja wohl gar die, zu was anders bestimmten, Tage des Herrn damit zu? Sind sie nicht in großen Nöthen, wenn ein Werk vollendet ist, wo sie wieder ein anders bekommen, gleichen sie nicht hierinne den guten Schenkwirthen, die immer Bier bey Biere haben, und es gar nicht alle werden lassen? derowegen werden nicht nur Nebenstunden darzu angewandt. Was aber die Sittenlehre anbetrifft, so haben sie ja Mosen und die Propheten, laß sie dieselben lesen und hören, und so viel tausend geistliche und weltliche Schriftsteller, welche die Sätze der Moral auf die schönste und richtigste Art darlegen. Allein wir haben uns vorgesetzt, den dritten Satz zu widerlegen, da sie uns überreden wollten: sie läsen solche Schriften nur der guten Schreibart wegen.

Wir würden uns sehr vergehen, wenn wir uns als allgemeine strenge Sittenlehrer bezeigen wollten, und es würde wenig Beyfall finden; deswegen werden wir nur bey unserm Stande bleiben, und in die Studierstuben der jungen Musensöhne sehen. Besuchte man so einen jungen Menschen, was sah man in seinem Museo? nichts als lateinische und griechische Redner, Dichter, Weltweise, und Anfangsgründe der Wissenschaften, sie stunden aber nicht nur da, um die