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ergangen. „Die Zukunftsaussichten bewerte ich auf Null Komma Null!“ fügte er hinzu.

Emil Kurz erwiderte achselzuckend: „Blech …! Drei Deutsche, jung, kräftig, und so schnell verzagen …! Noch besser!“

„Ganz recht!“ nickte der Ingenieur, der eben dabei war, seine geleerten Taschen nochmals abzufühlen. „Mut verloren, alles verloren! – Ah – – da haben wir’s! Etwas ist den diebischen Fingern der edlen Briten doch noch entgangen! Seht her – mein Feuerzeug …!“

„Sehen – gut gesagt …! Bei der Finsternis!“ brummte der Dicke. „Immerhin – wir können uns jetzt ein Feuer anzünden! Wenn nur der knurrende Magen nicht wäre …!“

Dürres Steppengras und Disteln wucherten hier und da in bescheidenen Pflänzchen zwischen den Felsen. Eifrig sammelten Tümmler und Bolz dieses Brennmaterial zusammen, während der Hüne Kurz sich nach dem Platz der Reittiere hintastete und dort auch genügend trockenen Kamelmist fand. Als die ersten Flammen hochzüngelten, ließ der rote Knirps ein zufriedenes Grunzen hören. Dann hockten die[1] drei Freunde an der wärmenden Glut und besprachen ihre mißliche Lage, wobei Tümmler betonte, daß Ali Mompo fraglos sich nach ihnen umtun würde. „Er ist ein braver Kerl, der uns sicher nicht im Stich läßt!“ sagte er überzeugten Tones.

Kurz wollte etwas erwidern. Aber das Wort blieb ihm im Munde stecken. Irgend woher aus ziemlicher Nähe drang deutlich bis in diesen natürlichen Felsenhof ein merkwürdiger Ton hinein. Vielleicht war’s das Brüllen eines Raubtieres. Vielleicht auch ein Schrei aus menschlicher Kehle. Genau ließ sich das nicht unterscheiden.

Die Gefährten schauten sich unsicher an. Und Karl Bolz lüftete mit zitternder Hand seine weiße – besser – einst weiß gewesene Schirmmütze. Ihm stand plötzlich der Schweiß auf der Stirn, und seine roten Borsten sträubten sich förmlich in die Höhe. – „Was war das?“ stotterte er dann leise.

Tümmler zuckte die Achseln, holte seinen Dolch hervor und erhob sich.


  1. Vorlage: dei
Empfohlene Zitierweise:
W. Belka: Die Schlucht in der Wüste. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1916, Seite 14. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Schlucht_in_der_W%C3%BCste.pdf/15&oldid=- (Version vom 31.7.2018)