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«Vive Louis quinze!» – Er tritt herfür
Aus der Kapelle Gnadenthür:

Recognoscirt auf ihrer Schwelle

10
Die Dreisamstadt und ihre Wälle.


Vom Schloßberg späht Artillerie,
Des Königs Stab erkannte sie.

Ist’s nicht sein Federbusch, der bunte?
Schnell greift ein Kanonier zur Lunte.

15
„Habt Acht, dem wälschen Königlein

Soll einmal deutsch gepfiffen sein!“

Ha, Blitz und Schlag! drei Spannen Maß
Ob seinem Haupt die Kugel saß.

Noch steckt der Eisenball zur Stelle

20
Dicht ob dem Pförtlein der Kapelle.


Der König stutzt, als von der Wand
Ihm Mörtel fallt auf Kopf und Hand.

Er winkt, aus zwanzig Feuerschlünden
Die Antwort ihnen baß zu künden.

25
Der Stadt erbeut er dann zum Gruß

Nach dem Bescheid auf solchen Schuß:

„Sollt fürder Euch mein Haupt bekümmern,
Schieß ich das Münster Euch zu Trümmern!“

Vom Schloßberg schweigen die Kanonen.

30
Solch einen Tempel muß man schonen!
(Ign. Hub.)
Empfohlene Zitierweise:
Heinrich Schreiber: Die Volkssagen der Stadt Freiburg im Breisgau. Franz Xaver Wrangler, Freiburg 1867, Seite 56. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Volkssagen_der_Stadt_Freiburg_im_Breisgau.djvu/62&oldid=3302080 (Version vom 31.7.2018)