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Es starb zu derselbigen Stunde

Die ganze Saurierei –
Sie kamen zu tief in die Kreide,
Da war es natürlich vorbei.

Und der uns hat gesungen

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Dies petrefactische Lied,

Der fand’s als fossiles Albumblatt
Auf einem Koprolith.

Victor v. Scheffel





Studententraum.

Mir träumt’, ich hätt’ einen Onkel
In Süd-Amerika,
Der wäre als reicher Kaufherr
Gestorben am Podagra.

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Auf seinem Totenbette,

Da hätt’ er röchelnd gesagt:
»Ihr Herren, ’s ist alles eitel,
Darum man sich schindet und plagt.

»Ich habe Millionen gesammelt

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Und muss nun doch hinweg;

So will ich mein Geld denn vermachen
Für einen milden Zweck!

»Ich hab’ einen lieben Neffen
Im durstigen deutschen Land:

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Dem sei mein grosses Vermögen

Grossmütiglich zugewandt.«

Doch hätt’ er eine Klausel.
Voll frommen Sinns erdacht:
Ich müsste das Geld verzechen

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In einer einzigen Nacht.


Mit glühend durstiger Kehle
Wacht’ ich vom Schlummer auf:
Ach, lebtest du, guter Onkel,
Und stürbst auch gleich darauf!

Alexis Aar.



Empfohlene Zitierweise:
Verschiedene: Die zehnte Muse. Otto Elsner, Berlin 1904, Seite 137. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_zehnte_Muse_(Maximilian_Bern).djvu/143&oldid=- (Version vom 31.7.2018)