Seite:Erzählungen vom Oberharz in Oberharzer Mundart von Louis Kühnhold – Heft 2.pdf/23

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In jeden Land farn un nah:

10
„Influenza, Influenza!“


     Fortwährend nahm die Kranket zu,
Ja sugar nach Kammeru,
Nach Asien un Amerika
Kam die Influenza.

15
Un pletzlich war die ganse Walt

Ae änzig grußes Krankenzalt.

     In unnern liem deutschen Reich
War die Kranket nu wull gleich;
Vieltausendfach huß jetzt die Klaa[1]:

20
„Influenza, Influenza!“

Huaptsachlich bei unnern Militär
Do sul dar Name manning schwär;
Anfänglich wur gemald mit fröhling Gesicht:
Su un su viel Mann haan die Faulenzia gekricht;

25
Alles wur zu lächt genumme,

Dänn su wos war noch nett viergekumme.
Mir machten uns im dar Kranket wenig Sorring[2],
Und fühlten uns su richtig geborring[3],
Denn daß die Influenza nach Annerschbarrig kähm,

30
Das wollte von All’n Käner glähm[4].

Un trotzdann kam se mit vuller Wucht, —
Fast jede Familie wur aufgesucht;
Su brooch denn in jeden Haus
Die schreckliche Influenza aus.

35
     Tiefe Schtille in all’n Stroßen,

Es Wartschaftgiehn wur nu gelosen,
Vergange war Lust, vergange war Fräd,
Schtets huur m’r seifzen frie und schpät.


  1. Klaa = Klage.
  2. Sorring = Sorgen.
  3. geborring = geborgen.
  4. glähm = glauben.

Anmerkungen (Wikisource)