Seite:Erzählungen vom Oberharz in Oberharzer Mundart von Louis Kühnhold – Heft 2.pdf/7

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     Haar[1] wollte gewiß noch mee[2] saan,
Du fung de Unruh in Saal all aan:

140
„Dos thun m’r nett, rufft’n Viele mit Grimm,

Hiedermit gricht dar uns nett rim.
Wos hette m’r dänn, wänn m’r Hannoversch wär’n, —
Von Bark- un Hittenleit wär nischt zu här’n!“

     „Ruhig!“ ruffte d’r Vorsitzende von d’r Bihn,

145
„M’r kann ju sei ääng[3] Wort nett verschtiehn[4];

Wänns balle nett schtille is — verloßt Eich drauf, —
So lees ich die Versammling auf!“

     „Harrejeses!“ schproch Aener mit erhitzten Kopp,

150
Ward disser Onkel do gleich gropp;

Dos is doch änglich gar nett schien,
Gleich aufzulees’n, wie in Barlin. —

     Ruh trot jetzt ein, ä Red’ner auß’n Ort,
Dar malde sich jetzt zum Wort.

155
„Meine Harrn!“ saat’r, „[WS 1]wos ich aam hob gehärt,

Sein Sach’n, wumit der Frieden ward geschtärt;
Drim bitt ich Eich, iwerlegt ’s mit Bedacht,
Daß Ihr nett än Fahlzug macht.
Bis jetzt sein mir Harzer Alle bekannt

160
Als treie Unterthan’n im Land;

Un dis lott uns bleim, macht nie woß in Hast,
Bedänkt schtets ’s Aend treet de Last!
Lott uns zeing, daß m’r noch die Alt’n,
Die trei zu ihr’n Käser[5] halten!“

165
     „Ja, huß es vielfach nu in Saal,

Su mach’n mirsch[6] a bei d’r Wahl;


  1. Haar = Er.
  2. mee = mehr.
  3. ääng = eigen.
  4. verschtiehn = verstehen.
  5. Käser = Kaiser.
  6. mirsch = wir es.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. fehlendes Anführungszeichen eingefügt