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Ungetauften, auf dem zweiten und dritten aber die Getauften, – auf dem zweiten diejenigen Getauften, welche, dem Worte in einem gewissen Maße treu, sich fürs ewige Leben erziehen laßen, auf dem dritten aber die, welche entweder abgefallen oder in der Gefahr des Abfalls sind, welche religiös und deshalb sittlich immer mehr verkommen. Und was nun die Kirche in treuer Liebe zur Rettung dieses jammervollsten dritten Theils der Menschheit nach dem Sinne des Sünderheilandes zu thun hat, das bezeichnet man gern vorzugsweise, obwol nicht völlig wahr, mit dem Namen „innere Mission.“ Es liegt in diesem Gebrauch des Namens eine Art von bitterer Selbstironie der Kirche, welche heut zu Tage besonders viele Elemente der dritten Gattung in ihrem Schooße trägt und deshalb mehr die rettende Thätigkeit an den Verkommenden, als die leitende, weidende, heilende Thätigkeit an gutwilligen Schafen JEsu zu üben hat. – Wenn wir uns nun in diesen Sprachgebrauch des neunzehnten Jahrhunderts finden und fügen, so versteht es sich von selbst, daß es nicht ohne Wehmuth und Protest geschehen kann.

 Es ist übrigens möglich, daß manche auch mit einer solchen Fügsamkeit in den gegenwärtigen Sprachgebrauch noch nicht zufrieden sein, daß sie behaupten werden, es sei hiemit immer noch keine Rücksicht auf das genommen, worinnen sich die innere Mission heut zu Tage am meisten erweise, nemlich auf den großartigen Schwung der Liebe und Barmherzigkeit gegen die irdischen Leiden und Lasten der Menschen. Wir glauben indes bei unsrer Faßung der innern Mission getrost beharren zu können, nicht bloß, weil die Uebung der Barmherzigkeit gegen Erdenleiden auch bei dieser Faßung ihre – und zwar richtige – Stelle und Würdigung findet, sondern auch, weil die Faßung allseitiger, weiter, reicher, einem liebevollen Herzen genugthuender, und vor allem, weil sie dem Worte JEsu gemäß ist.

 Aus dem bisher Gesagten erhellt also, daß die Mission, wie im Munde des HErrn, so der Sache nach nur Eine ist. Ein Befehl ist es, den Christus gibt, – allen Creaturen das

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Diverse: Fünf Festreden der Gesellschaft für innere Mission. Joh. Phil. Raw’sche Buchhandlung, Nürnberg 1850, Seite 9. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:F%C3%BCnf_Festreden_der_Gesellschaft_f%C3%BCr_innere_Mission.pdf/10&oldid=- (Version vom 28.8.2016)