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den Tod. Es kann aus dem versunkenen Armen und verworfenen Proletarier einen frommen Dulder, ja einen Märtyrer machen, der unter dem Jubelgeschrei der heiligen Engel sich und viele seines gleichen bußfertige Sünder zum ewigen Leben rettet, Kronen und Palmen entgegengeht. – Darum ist auch für die unglückliche und sittenlose Bevölkerung unsers Vaterlandes, für Proletarier und Arme das Wort Gottes mit seiner Kraft, seinem Troste, seiner heiligenden Kraft nöthig, und die innere Mission muß sich deshalb, wie die äußere, zunächst und vor allem andern mit der Verbreitung und Predigt desselben durch Rede und Schrift, durch Seelsorge und Zucht – und durch Erweckung des Geistes heiliger Zucht befaßen.

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 Vielleicht lächelt mancher bei Erwähnung der Zucht und wünscht vor allem, daß ich diesen Vortrag und seinen Lauf doch ja nicht mit weiteren Ausführungen über diesen Punkt unterbreche. Allein ich unterbreche nicht, – ich gehe meinen Gang, wie er mir richtig scheint, – ich habe die bestimmte Überzeugung, daß auch die Zucht eine von dem HErrn und seinen Aposteln gewollte, reich gesegnete Anwendung des Wortes Gottes ist, und daß es zur Aufgabe der innern Mission gehört, für Zucht im Sinne von Mtth. 18, 15 ff. zu wirken. In dem, was die h. Schrift N. Testaments von der Zucht lehrt, besitzt die Kirche, wenn sie es gläubig faßt und übt, eine moralische Macht, gegen welche, so unscheinbar und gering sie in den Augen mancher sein mag, keine physische Gewalt der Erde in Anschlag kommen kann. So lange die Kirche auch nur etwas von Zucht übrig hatte und übte, war sie nicht nur selbst nicht verächtlich, sondern eine, ja die gröste Wohlthäterin des Vaterlandes und des Staates. Je mehr sie das christliche Volk aus der von dem HErrn auf das bestimmteste befohlenen Zucht entließ, desto mehr wurde sie selbst Ursache, daß ihr Wort nicht geachtet wurde, daß das Volk verwilderte, sich mit ihr am Wort und Sacrament frevelnd versündigte und schwerem Gotteszorn entgegenreifte. Die Regierungen hatten ein Volk, in welchem durch kirchliche Zucht eine

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Diverse: Fünf Festreden der Gesellschaft für innere Mission. Joh. Phil. Raw’sche Buchhandlung, Nürnberg 1850, Seite 12. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:F%C3%BCnf_Festreden_der_Gesellschaft_f%C3%BCr_innere_Mission.pdf/13&oldid=- (Version vom 28.8.2016)