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sind mehrere Sammlungen veröffentlicht worden, dann wiederum sind weite Gebiete von der Sammelarbeit ganz unberührt geblieben. Dieses die Forschung störende Missverhältnis vermindert sich doch allmählich, denn die Zahl der Sammlungen wächst auch ausserhalb Europas immer mehr an.

Was die Sprache der aussereuropäischen Märchensammlungen betrifft, kann kaum vorausgesetzt werden, dass die Forscher andere als in europäischen Sprachen verfasste Übersetzungen benutzen würden. In den erschienenen Sammlungen ist gewöhnlich die Sprache desjenigen europäischen Volkes gebraucht worden, von dessen Kolonie in dem betreffenden Falle die Rede ist. Die am häufigsten vorkommenden Sprachen sind Englisch, Französisch, Holländisch, Deutsch und Russisch. Die Aufzeichnungen sind mitunter in sprachwissenschaftlicher Absicht gemacht worden, und die europäische Übersetzung bildet dann gewöhnlich einen Anhang zu dem Originaltext. Bisweilen sind die an den Geisteserzeugnissen des heidnischen Volkes interessierten Missionäre die Sammler gewesen.


Asien.

In Asien ist Indien das Land, in welchem am meisten Märchen gesammelt sind. Die Berühmtheit der alten indischen Märchenliteratur und die Bedeutung, welche man Indien in der Geschichte der Märchen hat zueignen wollen, haben ihrerseits die Sammelarbeit in Indien gefördert. Ich erwähne als erste der indischen Sammlungen M. Frere’s Old Deccan Days (1868), 24 Märchen von einer zum Christentum übergetretenen indischen Kinderwärterin. Die Sammlung ist auch von A. Passov ins Deutsche übersetzt unter dem Namen Märchen aus der indischen Vergangenheit (1874), und schon früher ins Dänische. Etwas später veröffentlichte der Russe I. P. Minajev seine in Kamaon gesammelten Индѣйскія сказки и легенды (1877). Aus den

Empfohlene Zitierweise:
Antti Aarne: Übersicht der Märchenliteratur. Suomalaisen Tiedeakatemian Kustantama, Hamina 1914, Seite 68. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:FFC14.djvu/72&oldid=- (Version vom 31.7.2018)