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Ein deutsches Sängerfest.


Fliegende Blätter 1 152 b1.png


Ich wollt’, ich wär ein König,
Dazu ein König vom Rhein!
Dann lüd’ ich vom deutschen Lande
Die Sänger alle ein.

5
Auf meiner höchsten Veste,

Dem Ehrenbreitenstein,
Da sollten sie singen und trinken
Von meinem besten Wein!

Dann regte sich wohl tief unten

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Held Roland im Grabesschoos,

Und käme vom fernen Lande
Herbei zu Rheinkönigs Schloß!

Das hörte im nahen Aachen
Wohl Kaiser Karol auch,

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Der zöge herüber und sänge

Mit uns nach altem Brauch!

Der starke Siegfried säße
Gewiß im großen Kreis,
Und sänge zum Harfengetöne

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Chriemhildens Ruhm und Preis!


Und hört’ es im Hunnenlande
Herr Volker, der Sänger kühn;
Er würde gar schnell sich erheben,
Zur Burg am Rhein zu ziehn!

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Ich säß’ auf hohem Throne,

Mit güldener Rebenkron’,
Und gäbe dem besten Sänger
Den besten Wein zum Lohn.

Und Frauen hold und sittig,

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Sie mehrten des Festes Lust,

Dann glitten süßer dem Sänger
Die Lieder aus voller Brust.

So wollt’ ich es halten für immer
Auf meiner Burg am Rhein:

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Da zöge wohl Keiner vorüber,

Und Alle kämen herein.

Und Alle wollt’ ich empfangen,
Bewirthen auf’s allerbest’!
Das wäre im deutschen Lande

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Ein rechtes Sängerfest!


Joh. B. Vogl.




München, Verlag von Braun & Schneider.Papier und Druck von Fr. Pustet in Regensburg.

Empfohlene Zitierweise:
Kaspar Braun, Friedrich Schneider (Red.): Fliegende Blätter (Band 1). Braun & Schneider, München 1845, Seite 152. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Fliegende_Bl%C3%A4tter_1.djvu/156&oldid=3470105 (Version vom 6.1.2019)