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Nr. 11. Beiblatt zu den Fränkischen Blättern. 1848.


Humoristisch-satyrisches Zeitungslexikon.
Ausgearbeitet von den größten Gelehrten Europa’s und der angrenzenden Länder.

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Adel ist ein veraltetes Institut, dessen Mitglieder vorzügliche bürgerliche Ehre und mehr oder weniger Vorrechte vor den übrigen Angehörigen des Staates blos durch die Geburt, nicht durch eigene Verdienste besitzen. Der Philosoph Jean Jacques Rousseau nennt ihn das Heer der Maden, welche den Käse überzeugen wollen, daß sie zu seinem Glanze, so wie zu seiner Dauer unentbehrlich sind, und Seume prophezeite ihm, daß er in sanften Fallschirmen herunterkommen würde, ohne sich sehr wehe zu thun. Das Letztere ist bereits eingetroffen.

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Anlage ist die natürliche Fähigkeit für Etwas. Man sagt, er hat Anlage zum Dichter, zum Maler, zum Schuhmacher, zum Mönch, zum Bauchredner, u. s. w. Aber noch nie habe ich gehört: Er hat Anlage zum ehrlichen Manne. Vermuthlich kommt dies daher, weil an dieser Art der Anlage nicht viel gelegen ist.

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Aufwarten nennt man ein gewisses Experiment der Unterthänigkeit. Schmarotzer und Bittsteller warten ihren Gönnern stehend auf. Der Hund ist klüger; er setzt sich dazu nieder. Das Aufwarten der Hunde nennt man auch „schön machen“. Zum Unterschiede davon sollte man das hündische Aufwarten der Menschen „schlecht machen“ nennen.

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Bart nennt man den dem männlichen Geschlechte eigenthümlichen Haarwuchs an Mund, Kinn und Wangen. Er hat im Lauf der Zeiten eben so viele Veränderungen erlitten, als unsere Philosophie oder Gellert’s Hut. Selbst gegenwärtig ist sein Ansehn verschieden. Am Stutzer ist er zierlich, am armen Sünder ekelhaft, am Türken erträglich, am Kapuziner ehrwürdig, am Bocke gelehrt, am Schlüssel nützlich.

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Bauer nennt man denjenigen, der ein Bauergut bewirthschaftet. Er gehört zu den historischen Merkwürdigkeiten und war früher blos deswegen auf der Welt, um zwei Drittheile des Jahres für seinen Junker zu arbeiten. Wenn die wilden Schweine seine Felder verdarben, so rechnete man

Empfohlene Zitierweise:
Eduard Kauffer (Red.): Der Nürnberger Trichter. Friedrich Campe, Nürnberg 1848, Seite 41. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Fr%C3%A4nkische_Bl%C3%A4tter_nebst_dem_Beiblatt_Der_N%C3%BCrnberger_Trichter.djvu/141&oldid=- (Version vom 1.8.2018)