Seite:Fränkische Blätter nebst dem Beiblatt Der Nürnberger Trichter.djvu/170

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heimtückische Bursche, voll Habgier und Eigennutz – hazari pomerani – d. h. ich hätte das viel früher wissen sollen – Mischi memaschi – d. h. Ihr seid dem Verderben anheimgefallen – hezaro!“ – d. h. ich lasse Euch hängen!

Als der Oberhokipoki die furchtbaren Worte: Meschmudi selami hazari pomerani mischi memaschi hezaro vernommen hatte, gerieth er in große Verzweiflung und rief: „Wie, o großer Kazizi, an den Hokipoki nimmst Du Rache, uns wolltest Du hängen lassen, die wir Dir mit geschichtswürdiger Offenheit kund thun, wie Du allein Deine Herrschaft erhalten kannst und Schrecken einflößen Deinen Unterthanen und Ehrfurcht?“

„Schweigt,“ rief jetzt der Kazizi, „hazzi mozini! – d. h. ich habe genug an Eurer barbarischen verwünschten Theorie! – Ihr wollt ein Schreckgespenst aus mir machen, die Angst, die sklavische Demuth soll mir den Thron sichern, nicht die Liebe meiner Völker. Lili lapati! – d. h. ich hätte gute Lust, Euch nebstdem noch die Zungen herausschneiden zu lassen, weil Ihr mir so Schlechtes rathet, da ich Euch doch erlaube offen zu sprechen, und weil Ihr all’ mein Glück auf die Sklaverei meiner guten Unterthanen gründen wollt, so daß keiner seines Lebens sicher wäre – und ich auch nicht. Nafili torotoro! – d. h. alle Bomben und Kanonen – dazu hab’ ich keine Lust. Es ist gescheidter, Ihr baumelt, als daß mir Gefahr erwächst. Ihr sterbt jetzt, küßt mir die Fußspitze, damit ich Euch noch einige Hiebe gebe, dann geht hin und hängt Euch als besondere Begünstigung coram publico selbst auf.“

„Aber unser Leben gehört uns!“ schrieen die Hokipoki.

„Nein, mir gehört es!“ rief der Kazizi. „Das habt Ihr ja stets gesagt. Habt Ihr es gesagt oder nicht?“

„Ja, das haben wir,“ riefen die Hokipoki; „aber das ging unser Leben nichts an.“ –

„So,“ rief der Kazizi, „Ihr seid von aller Strafe ausgenommen! Das wäre mir eben das Rechte! Nein, so geht das nicht fürderhin! Serezzo trunissa! Ihr habt keinen Vorzug, als daß Ihr höhere Galgen bekommt und größere Spieße. Ich will ein Staatsgrundgesetz machen, das soll heißen: Alle Hokipoki sind verantwortlich und wer am Wohl des Volkes hokipokisch frevelt, der baumelt! Denn wenn er nicht baumelt, so vergeht eines schönen Tages sämmtliche Kazizischaft. Avanti asurini – küßt die Fußspitze – nafili me – da habt Ihr meinen Distelpeitschen-Abschied – damit befehl’ ich Eure Seele dem Asmodi Osmadi – fahrt hin und baumelt, auf daß es mir wohl ergehe und den Nachkommen in Chimeniko.“

Da wurden sogleich große Galgen errichtet und die Hokipoki baumelten. Der Kazizi aber trat selbst auf den Balcon, sah zu und sagte dem Volke warum. Dann sprach er:

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„Nicht wir Herrscher sind schlecht, unsere falschen Freunde machen uns erst schlecht. Fürder soll’s anders sein. Das Staatsgrundgesetz ist verändert und künftig soll es heißen: Jedem gehört sein Herz, Allen aber gehört mein Ohr – dafür hoff’ ich aber, daß mir auch alle Herzen schlagen.“

Da war großes Freudengeschrei und die Menschen in Chimeniko durften offener Stirne vor ihren geliebten Kazizi treten, ihm ihre Noth oder Sorge klagen, und da er in späten Jahren starb, weinten sie so sehr, als ob jedwedem sein Vater oder Freund gestorben wäre.

So fiel die Sache in Chimeniko vor. Wir sollen uns ein Beispiel daran nehmen und unsere Kazizi auch, wenn etwa einmal solche Minister kämen, wie die Hokipoki waren.

F. Trautmann.     

Empfohlene Zitierweise:
Eduard Kauffer (Red.): Der Nürnberger Trichter. Friedrich Campe, Nürnberg 1848, Seite 70. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Fr%C3%A4nkische_Bl%C3%A4tter_nebst_dem_Beiblatt_Der_N%C3%BCrnberger_Trichter.djvu/170&oldid=- (Version vom 1.8.2018)