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Liste.png Frances Külpe: Rote Tage : baltische Novellen aus der Revolutionszeit

weiter aufzuhalten, wir haben wichtigere Dinge vor,“ sprach der Anführer wieder.

„’s wird sich schön wärmen lassen an den Flammen der schwelenden Gutshöfe – ha ha ha!“ brüllte eine trunkene Stimme.

„Stille! Wer untersteht sich da, so laut zu reden?“ Lautlos huschten einige wilde Kerle hin und wieder. „Dem Finkenhorstschen werdet ihr aber doch nichts tun?“ sagte eine ängstliche Stimme, und ein kleiner krummbeiniger Mann drängte sich an den Langen. „Das gnädige Fräulein, die Schwester des Rungs, ist gut zu mir gewesen, als ich krank lag, hat mir Wein gebracht und Suppe.“

„Ruhe! Wir kämpfen nicht gegen Weiber, und „gnädige Fräuleins“ gibt’s nicht mehr, merk’ dir das, Dumpje Marting. Seid ihr bereit?“

Im Schatten der Tannenbäume verschwanden die finstren Gesellen.

In Schweiß gebadet lag Ernst Philippi auf dem festgefrorenen Schnee. Er richtete sich auf und spähte die Straße hinauf, hinab. War das alles Wirklichkeit gewesen oder ein spukhafter unbegreiflicher Traum? In der Richtung nach Finkenhorst quer über den Weg, auf welchem er gekommen war, hörte er die Schritte fortstampfen.

So schnell ihn sein steifes Bein trug, lief er zur Scheune zurück, band das Pferd los und warf sich ächzend in den Schlitten. Sein Plan war gefaßt. „Gott sei uns gnädig!“ stöhnte er, und

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Frances Külpe: Rote Tage : baltische Novellen aus der Revolutionszeit. S. Schottländers Schlesische Verlagsanstalt, Berlin 1910, Seite 93. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:FrancesKuelpeRoteTage.pdf/93&oldid=- (Version vom 1.8.2018)