Seite:Friedlaender-Aus dem homosexuellen Leben Alt-Berlins.djvu/17

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Geldstrafe von je dreihundert Mark umwandeln.“ Das geschah auch.

Nach Schluß des Segerschen Lokals entstanden Treffpunkte in der Schleuse, der Alten Leipzigerstraße, Ritterstraße, Wallstraße und Alexandrinenstraße. Mehrere Jahre gab es keinen Treffpunkt. In dieser Zeit veranstaltete[WS 1] ein alter Kellner, der „die Kaffeekönigin“ genannt wurde, fast allwöchentlich in den verschiedensten Stadtteilen „Kaffeeknatsche“. Auf diesen ging es ungemein lustig zu. Es wurde viel getanzt, zumal die Kaffeekönigin ein Tanzmeister ersten Ranges war und trotz ihres hohen Alters wie eine Drahtpuppe tanzte. Ungemein drollig war es, wenn die „Kaffeekönigin“ den Kontretanz kommandierte, da ihr die französische Sprache vollständig fremd war. – Sehr viel Verkehr von Homosexuellen war in den 1880er Jahren in einem sehr großen Lokal in der Sommerstraße, schrägüber vom jetzigen Reichstagsgebäude. Damals war der Reichstag noch in der Leipzigerstraße neben dem Kriegsministerium. In der Sommerstraße verkehrte vornehmlich Militär. Aus Anlaß des imposanten Wallotbaues wurden die alten Häuser der Sommerstraße sämtlich abgerissen. – Längere Zeit bildete auch ein besseres Restaurationslokal Unter den Linden 4 einen Treffpunkt der feineren Homosexuellen. Ferner war Verkehr im Pschorrbräu und im Weihenstephan in der mittleren Friedrichstraße und im Löwenbräu (Charlotten- und Französischestraßen-Ecke). In den 1870er Jahren war am Leipziger Platz, an der Stelle, an der jetzt das Reichsmarineamt sich befindet, ein hochelegantes Lokal, genannt „Urania“. In diesem wurden vielfach Bälle abgehalten, zu denen nur die besseren Homosexuellen Zutritt hatten. Auf diesen Bällen, auf denen die ausgelassenste Heiterkeit herrschte, waren die elegantesten und chicksten Damentoiletten, deren Trägerinnen zumeist männlichen Geschlechts waren, zu bewundern. –

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: veranstalte