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wo übrigens das Glaubensgebet nicht vom Kranken sowohl, sondern vor allem von den Presbytern gefordert ist.

 Das Gesundbeten der sogenannten christian science ist mehr als Schwärmerei, es ist widerchristlicher Betrug.


§ 76.
Der Christ gegenüber dem Tod.

 1. Der große Ernst des Todes auch beim Christen. Der Tod ist schon als Trennung des Leibes und der Seele etwas überaus Ernstes und hierin liegt auch sein natürliches Weh, was jeder, auch der Christ, empfinden muß und in welchem er die Strafe, den Sold der Sünde empfangen muß. Der Tod ist der Sünde Sold. Eben deswegen ist der Tod auch ein Gericht, ein Gericht über das Fleisch, 1. Petr. 4, 6. Es vollzieht sich im Tode das Zorngericht Gottes über die Sünde. Daraus ergibt sich die rechte Furcht des Todes im Gegensatz zur verwerflichen Todesfurcht. Die Furcht des Todes ist ja ein natürliches Gefühl, das man nicht wegleugnen soll und gegen welches man sich nicht stoisch zu verhärten braucht. Hat doch auch der HErr gebebt und sich geängstet vor dem Gedanken an Leiden und Tod. Es war ihm, wie er ja selber sagt, bange auf seine Leidenstaufe, Luk. 12, 50; Hebr. 5, 7. Er hat Gebet und Flehen mit Geschrei und Thränen geopfert zu dem, der ihn vom Tode erretten konnte, und er ist auch errettet worden; den Tod mußte er schmecken, aber die Furcht des Todes ist ihm genommen worden. So soll die natürliche Todesfurcht auch beim Christen überwunden werden durch Glauben und Hoffnung, ein Sklave der Todesfurcht kann ein Christ nicht sein, wenn es mit seinem Christennamen und Christentum nicht purer Spott sein soll, Hebr. 2, 14. 15. Man denke an Hiskia, der that, was dem Herrn wohlgefiel und doch von der Todesfurcht so gemartert wurde, daß er winselte wie ein Kranich und girrete wie eine Taube vor lauter Furcht, sterben zu müssen, Jes. 38, 14. Die verwerfliche Todesfurcht entsteht meistens aus zu großer Anhänglichkeit an die Welt und an das Irdische, aus zu großer Liebe zum Leben.

 2. Um die Todesfurcht zu überwinden ist es nötig, den rechten Todestrost zu haben. Todestrost ist freilich weniger als Todessehnsucht und Todeslust; es ist eine climax ascendens: Todestrost, Todesmut, Todessehnsucht, Todeslust. Was man von einem Christen verlangen kann, ist, daß er den Todestrost und Todesmut hat. Der Todestrost