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     Sonst war mirs Freude, seinen Willen

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Von ganzem Herzen zu erfüllen;

Sein Wort war mir gewiß.
Itzt kann ichs nicht zu Herzen fassen,
Und meine Kraft hat mich verlassen,
Und meinen Geist deckt Finsterniß.

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     Oft fühl ich Zweifel, die mich quälen,

Heul oft vor Unruh meiner Seelen,
Und meine Hülf ist fern.
Ich suche Ruh, die ich nicht finde;
In meinem Herzen wohnt nur Sünde,

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Nur Unmuth, keine Furcht des Herrn.


     Zag nicht, o Christ, denn deine Schmerzen
Sind sichre Zeugen beßrer Herzen,
Als dir das deine scheint.
Wie könntest du dich so betrüben,

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Daß dir die Kraft fehlt, Gott zu lieben,

Wär nicht dein Herz mit ihm vereint?

     Kein Mensch vermag Gott zu erkennen,
Noch Jesum einen Herrn zu nennen,
Als durch den heilgen Geist.

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Hast du nicht diesen Geist empfangen?

Er ists, der dich nach Gott verlangen,
Und sein Erbarmen suchen heißt.

Empfohlene Zitierweise:
Christian Fürchtegott Gellert: Geistliche Oden und Lieder. Weidmannische Handlung, Leipzig 1757, Seite 144. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Geistliche_Oden_und_Lieder-Gellert.djvu/168&oldid=- (Version vom 1.8.2018)