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die drei ersten brandenburgischen Kurfürsten fortwährend in Heilsbronn lagerten und daselbst begraben wurden, da von der Zeit des Kaisers Lothar an bis in die Reformationszeit die meisten deutschen Kaiser bei ihnen einkehrten; da sie mit den Päpsten in Rom und Avignon, mit Cisterz, Konstanz und Basel persönlich verkehrten. Allein sie gedenken der Vorkommnisse bei diesem Verkehr nur nebenbei in ihren lateinisch geschriebenen Rechnungen bei Angabe der Ausgaben, welche durch die Anwesenheit der Kaiser, durch Geburt, Einlagerung und Grablegung der Burggrafen und Kurfürsten, durch Reisen nach Rom etc. veranlaßt wurden. Eine rühmliche Ausnahme machte der 1518 gestorbene 25. Abt Bamberger, welcher den Jahresrechnungen seiner Mönche gewöhnlich einen Bericht in lateinischer Sprache über denkwürdige Ereignisse im Lauf des Jahres beifügte. Siehe Stillfried S. 241–306, wo diese Berichte mitgetheilt sind.

So viel über die wissenschaftliche Bildung der heilsbronner Mönche. Über die Pflege der Künste im Kloster ist Folgendes zu berichten.

Vokalmusik wurde im Kloster mit besonderer Sorgfalt gepflegt. Heilsbronner Mönche erhielten, wie oben erwähnt, bisweilen einen Ruf in andere Klöster, um daselbst Gesang zu lehren. Mehrstimmige Gesänge aus alter Zeit, auf Pergament geschrieben, zierlich ausgestattet und in Folianten gebunden, wurden im 17. Jahrhundert nicht nach ihrem Musikgehalt, sondern lediglich nach ihrem Pergamentgehalt gewerthet, durch Verkauf an Buchbinder etc. zu Geld gemacht oder zum Einbinden von Klosteramtsrechnungen verwendet. Daher sieht man noch jetzt auf manchem Einbande Notenreihen mit Texten, z. B. Ecce agnus Dei, qui tollit pecata mundi. Ecce, de quo dicebam vobis: qui post me venit, ante me factus est, cujus non sum dignus corrigiam calceomenti solvere. Dieselbe genaue Beibehaltung der Bibelworte findet man in den oben erwähnten, vom Richter Hartung eigenhändig kopirten kirchlichen Gesängen, z. B.: Tu es Petrus et super hanc petram edificabo ecclesiam meam etc. etc. Hartung nennt bisweilen die Komponisten, bemerkt

Empfohlene Zitierweise:
Georg Muck: Geschichte von Kloster Heilsbronn (Band 1). C. H. Beck’sche Buchhandlung, Nördlingen 1879, Seite 571. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Georg_Muck_-_Geschichte_von_Kloster_Heilsbronn_(Band_1).pdf/587&oldid=- (Version vom 1.8.2018)