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colligirten Predigten für eine Confusion und Unlust gefunden, ist zu beschreiben unmöglich. Daß solches der fremde und öffentliche Feind gethan, wäre noch zu verschmerzen. Aber nicht zu verschmerzen ist, daß der einheimische heimliche Feind noch viel größeren Schaden gethan und seinen Frevel und Muthwillen durstiglich verübt hat. Denn allzeit nach einer Plünderung ist von Manns- und Weibspersonen des Dorfes bei hellem Tag Einfall in den Pfarrhof geschehen und hat man Flachs, Weißzeug und Anderes hinweggetragen. Was erst bei Nacht? Ob ich wohl Haussuchung zu thun angelangt, hat man aber dazu keine Lust gehabt. Was die Reiter hinterlassen, das haben die Nachbarn aufgefaßt. Ein großes Wunder, daß Haus und beide Städel nicht im Feuer verdorben sind.“ Pfarrer und Gemeinde erscheinen hier in einem ungünstigen Lichte. Beide sind durch die Kriegsdrangsale nicht besser geworden und haben in denselben nichts gelernt und nichts vergessen. Schrotzberger beklagte sich schon vor dem Kriege über seine Gemeinde wegen Zehntdefraudation, Verweigerung von Rüben, Kraut, Obst, Hühnern etc. Eben so verklagte er unmittelbar nach dem Kriege seine Zehntholden. In gleicher Weise wie Schrotzberger charakterisirte auch sein Nachfolger Lemmerer sich selbst und seine Gemeinde. Die lentersheimer Pfarrakten waren großentheils nach Ehingen in das Pfarrhaus geschafft worden und gingen dort mit dem Hause in Rauch auf. Daher Lemmerer’s Klage über den Verlust der Zehntholdenverzeichnisse und über Schmälerung seines Einkommens. In einem Berichte an den Dekan schrieb er: „Wenn ich mein Maul nicht hätte an den Wasserkrug gewöhnt, so hätte ich schon längst meine Valetpredigt zu Lentersheim thun müssen. Hans Wilhelm hat unlängst selb Anderen im Pfarrhof mit spitzigen Gabeln mich überlaufen, den Hirszehnt mir mit Gewalt zu nehmen, wie er zuvor meinem Vorfahrer den Bohnenzehnt entzogen hat. Unter andern unverschämten Worten hat er hören lassen: „Ich bin so gut wie Du!“ da doch sein Vater ein Schweinhirt gewesen. Des Schweinhirten Sohn will so gut sein wie ich, eines ehrlichen Pfarrers Sohn. Die Zehntbeständner haben sich ungescheut

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Georg Muck: Geschichte von Kloster Heilsbronn (Band 2). C. H. Beck’sche Buchhandlung, Nördlingen 1879, Seite 517. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Georg_Muck_-_Geschichte_von_Kloster_Heilsbronn_(Band_2).pdf/519&oldid=- (Version vom 1.8.2018)