Seite:Georg Rusam - Geschichte der Pfarrei Sachsen.pdf/102

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um. Doch kamen eigentliche Passionspredigten erst später auf, wie auch die Feier des Karfreitags mit seinem besonderen evangelischen Gepräge eine Einrichtung späterer Zeit ist, etwa seit dem Jahre 1700. Abkommen mußten auch die üblichen Weihen von Wasser, Kerzen, Brot, Früchten und dergleichen, ebenso die alten Bittgänge, Flurumritte und anderes. Dagegen behielt man gern bei, was dem evangelischen Geiste nicht widersprach, wie das Brennen von Kerzen auf dem Altar oder die Bekleidung des Altars mit Gewändern in den althergebrachten kirchlichen Farben. Auch die Bekleidung der Geistlichen in den Gottesdiensten blieb zunächst unverändert. Das frühere Meßgewand wurde noch bei der Feier des heiligen Abendmahls verwendet, wie es Pfarrer Kißling i. J. 1561 ausdrücklich berichtet. Erst allmählich verschwand es, wohl weil man die nicht geringen Kosten für eine Neubeschaffung scheute. Dagegen wurde das sonst in den Gottesdiensten übliche „weiße Chorhemd“ noch bis 1798 allgemein getragen. Erst der preußischen Regierung war es vorbehalten, diese Hemden abzuschaffen, um, wie sie sagte, den Gotteshäusern „Wäscherlohn zu ersparen“.

 Dem maßvollen, allem Radikalismus abholden Sinn jener Zeit entsprach es auch, daß man die alten Altäre mit ihren Zieraten und Heiligenbildern in den Kirchen stehen ließ. Sachsen behielt seine fünf Altäre weiter. Dienten sie auch nicht mehr wie vordem der Heiligenverehrung, so konnten sie doch der Erbauung der Gläubigen und dem Schmuck der Kirche dienen. Leider ließ man in Sachsen die Altäre nach und nach verkommen, so daß schließlich einer nach dem andern beseitigt werden mußte. Doch waren bis 1804 immer noch der große Hauptaltar und ein Seitenaltar vorhanden, bis in diesem Jahre bei dem großen Kirchenumbau auch sie dem verständnislosen Nationalismus (Vernunftglauben) jener Zeit zum Opfer fielen. Auch die Kunigundenkapelle und die Leonhardskapelle ließ man so verfallen. Die Sebastiansbruderschaft, die nun zwecklos geworden war, löste sich 1529 auf. Am St. Veitstag (15. Juni) kamen die „Brüder“ zum letztenmal zusammen und beschlossen, das Geld, das man bisher für Messen ausgegeben, künftig „armen Leuten“ zuzuwenden. Hierüber, wie über das Schicksal der Sebastianskirche und der Krypta wird später berichtet werden.


4. Der Bauernkrieg

 Im Jahre 1525 brach der sogenannte Bauernkrieg in Süd- und Mittel–Deutschland aus, also wenige Jahre nach dem Beginn der Reformation. Dieses zeitliche Zusammentreffen hat den Gegnern