Seite:Georg Rusam - Geschichte der Pfarrei Sachsen.pdf/110

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sein wird (S. 124). Wäre nicht der König Gustav Adolf von Schweden seinen Glaubensgenossen in Deutschland zu Hilfe gekommen, so würde der Reformation in ganz Deutschland nur allzubald ein bitteres Ende bereitet worden sein. Aber die Landung dieses Königs an der Küste von Pommern am 24. Juni 1630, genau 100 Jahre nach der Übergabe der Augsburger Konfession, und sein gewaltiger Sieg bei Breitenfeld in Sachsen am 17. September 1631 rettete die „Glaubensfreiheit für die Welt“.


2. Das erste Notjahr 1631.

 Schon im Juli 1631 wurde unsere Gegend stark an den Krieg erinnert, als kaiserliche Kriegsvölker auf dem Weg nach Norden gegen Gustav Adolf bei uns durchzogen. Viele Orte ringsum hatten Einquartierung und mußten mit ihren Pferden Vorspann leisten. Doch die eigentliche Not brach erst nach der Schlacht bei Breitenfeld an. Der dort aufs Haupt geschlagene bayerische und kaiserliche Feldherr Tilly mußte sich nach Süden zurückziehen, und er wählte gerade Franken als Winterquartier für seine verwilderten Soldaten. Am 9. November nahm er Rothenburg ein, am 11. November Windsheim, am 18. November die Festung Lichtenau. Die Eroberung von Lichtenau ward ihm sehr leicht gemacht; denn der Pfleger und Kommandant Georg Scheurl aus Nürnberg lieferte ihm die Festung ohne Schwertstreich aus. Auch Ansbach wurde eingenommen und das dortige Zeughaus mit seinen Waffen- und Munitionsvorräten ausgeplündert.

 So saß nun der Feind mitten im Lande. Und das bedeutete eine furchtbar drückende Belastung. Denn die kaiserlichen Soldaten mußten nun vom Lande unterhalten und mit allem, was das Heer brauchte, ausgiebig versorgt werden. Was man nicht gutwillig lieferte, das wurde mit Gewalt genommen: Getreide, Vieh, Heu, Stroh, Fuhrwerk und alles mögliche andere, was das Heer bedurfte oder was auch den einzelnen Soldaten gerade gefiel. Schwere Bedrückungen und Plünderungen waren an der Tagesordnung. Schon damals gingen einzelne Häuser in Flammen aus, wie die Schermühle und ein Hof in Schalkhausen, dann Höfe in Steinersdorf und Gebersdorf.

 Lichtenau blieb von den kaiserlichen Truppen mit 150 Mann unter dem Hauptmann Arbogast von Andlau besetzt, wahrscheinlich bis zum März 1632. Das war für die Dörfer um Lichtenau her eine besonders harte Belastung; denn ununterbrochen mußten sie Proviant liefern, schwere Kontributionen (Geldsummen) aufbringen