Seite:Georg Rusam - Geschichte der Pfarrei Sachsen.pdf/114

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für alle Lebensbedürfnisse. Täglich streiften Horden von plündernden Soldaten durchs Land, um noch etwas zu finden, was vielleicht bisher verborgen geblieben war. Daß dabei wieder einzelne Höfe und auch ganze Dörfer in Feuer aufgingen, war selbstverständlich. So brannte damals z. B. ganz Oberdachstetten nieder. Vor allem aber war es wieder die kaiserliche Besatzung von Lichtenau, die mit ihren Streifereien und überfallen die Umgegend heimsuchte. So plünderte sie im Frühjahr 1633 das Dorf Eyb und nahm den Hennenbachern das Vieh weg. Später fielen sie im Dorfe Sachsen ein, wobei der Pfarrer Michael Löscher so schwer mißhandelt wurde, daß er kurz darauf an den Folgen zu Ansbach starb. In ergreifender Weise schilderte seine Witwe in einem Briefe an das Konsistorium zu Ansbach unterm 30. Juni 1633 den Hergang, weshalb er als urkundliches Zeugnis im Auszüge hier mitgeteilt sei:

 „Es ist leider mehr als überflüssig bekannt und mit heißen Tränen zu beweinen, was für Drangsal der arme Landmann in diesem Fürstentum, allermeist aber in dem Revier bei Lichtenau ausgestanden; bei welchen Pressuren (Bedrückungen) aber die Geistlichen am meisten leiden müssen, deren auch ein guter Teil das Leben darüber gelassen, die andern aber samt den Ihrigen in das Elend verjagt, sind im übrigen von allen Dingen ausgeplündert und also ganz an den Bettelstab gerichtet worden. Es haben die Dragoner und Krobaten (Kroaten, kaiserl. Soldaten aus Kroatien) uns etliche Male dermaßen ausgeplündert, unsere Kühe und alle Fahrnis genommen, daß wir fast nicht mehr eine Schüssel gehabt. Mein Mann hat sich demungeachtet immerzu geduldet und von seiner Kirche nicht weichen wollen, obgleich die eingehörigen Pfarrkinder, weil sie auch verderbt worden, ihre Schuldigkeit (Zinsen, Gülten und andere Abgaben) nicht mehr geben konnten und wir also äußerste Not leiden mußten. Da hat der jüngst zum Proviant kommandierte Entsatz (= Verproviantierungstrupp aus Lichtenau) den Pfarrer mit Stoßen, Schlagen, Raiteln und anderem dermaßen traktiert (mißhandelt), daß er nicht mehr bleiben konnte, sondern, wenn er nicht ganz niedergemacht werden wollte, sich durch Flucht nach Ansbach retten mußte. Allein sie haben ihn dermaßen zugerichtet, daß er sich alsbald zu Bett legen mußte, davon er nicht mehr aufgestanden ist, bis ihn Gott der Allmächtige am vergangenen Auffahrtsabend (Abend vor Himmelfahrt) aus diesem Jammertal abgefordert hat.“

 Das ist ein Beispiel, wie es damals den Leuten auf dem Lande erging. Die in der Stadt hatten es zwar auch sehr schlimm, aber doch nicht so übel wie die Landbevölkerung; denn in der Stadt wurde