Seite:Georg Rusam - Geschichte der Pfarrei Sachsen.pdf/77

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die Jahreszahl 1463 eingemeißelt gewesen sei. Um diese Zeit ist jedenfalls der Bau ausgeführt worden. Er scheint sich aber längere Zeit hinausgezogen zu haben, denn die Einweihung der Kirche erfolgte erst 1491 am Johannistag (24. Juni) durch den Würzburger Weihbischof Georius (eigentlich Bischof von Ricopolis, im damals türkischen Gebiet), wobei der Pfarrer Johannes Wagner die erste Messe hielt. Geweiht wurde die Kirche zu Ehren des Schutzheiligen der Bruderschaft, des hl. Sebastian, außerdem noch zu Ehren des hl. Wolfgang und der 14 Nothelfer, der Heiligen Martin, Wendelin, Kilian, Bonifatius und Rochus. Reliquien waren im Altar verwahrt von den Heiligen Wolfgang, Sebastian, Martin, der Jungfrau Helena und den 14 Nothelfern.

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 In den alten Rechnungen über die Kirche wird von einer Frühmesse gesprochen. Danach scheint täglich eine Messe in der Kirche gelesen worden zu sein. Das entspricht ganz dem Zweck, zu dem einst die Sebastians–Bruderschaft gegründet wurde. Solche Bruderschaften erfreuten sich in jener Zeit, etwa seit dem Jahre 1400, großer Beliebtheit. Sie waren eine Ausprägung der damaligen Frömmigkeit, die beherrscht war von der Furcht vor dem Fegfeuer nach dem Tode. Um seine Seele aus dieser Qual zu erretten, machte man allerlei Stiftungen, brachte Opfer und übte sich in vielen und langen Gebeten (Rosenkränzen u. a.). Vor allem aber erstrebte man durch das heilige Meßopfer Gnaden und Segnungen sich zuzueignen. Dazu stiftete man gern „Jahrtage“ zu dem Zweck, durch jährliche Messen das Heil seiner Seele sicherzustellen. Zu gleichem Zweck gründete man auch „Bruderschaften“, bei denen die Mitglieder sich verpflichteten, durch Gebete, Opfer und regelmäßige Messen, besonders auch beim Tode der Mitglieder, nach Kräften Vorsorge für die Ewigkeit zu treffen. Es waren somit die Bruderschaften, wie jemand gesagt hat, eine Art „Versicherungsanstalten für das Seelenheil“, damit die Seelen der „Brüder“ und der „Schwestern“ möglichst vor dem Fegfeuer bewahrt oder doch baldigst daraus erlöst würden. In Ansbach gab es eine ganze Reihe solcher Bruderschaften; die vornehmste war die von dem Markgrafen und Kurfürsten Friedrich I. gegründete, die sich auch nach dem hl. Sebastian nannte. Vielleicht war diese das Vorbild zu der Bruderschaft in Sachsen. In einem alten Verzeichnis der Toten aus der Sachsener Bruderschaft ungefähr aus dem Jahre 1500 werden über 100 Namen von Männern aufgezählt, zu denen noch die Namen ihrer Frauen hinzuzurechnen sind. Die Mitglieder setzten sich aus der ganzen ehemaligen Pfarrei zusammen. Bedeutsam ist eine Notiz von 1518, worin es heißt: „So oft ein Bruder oder eine Schwester in der Bruderschaft stirbt, soll man solche gestorbene Person an einem Sonntag in der Pfarrkirche mit