Seite:Georg Rusam - Geschichte der Pfarrei Sachsen.pdf/80

From Wikisource
Jump to navigation Jump to search
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal korrekturgelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.

 In der Kunigunden-Kapelle wurden außer den schon genannten Reliquien St. Oswalds noch hl. Überreste verwahrt vom hl. Sixtus, von den 10000 Märtyrern und ein Stück von dem Stein, den „des Herrn Haupt berührte am Abend, als er verraten wurde“ (gemeint ist wohl, als er im Garten Gethsemane auf sein Angesicht niederfiel). Als Kirchweihtag wurde für die Kapelle der Sonntag nach Ostern gefeiert, jedoch nur „bis Mittag“.

 Im Jahre 1520 wurde bei der Rechnungsabhör im Pfarrhof zu Sachsen eine Kapelle St. Lienhard bei Sachsen erwähnt. Pfarrer Paulus beklagte sich damals, daß „die in der Gemein zu Sachsen“ sich unterfingen, selbständig Pfleger über die Kapelle zu setzen, ohne sich mit dem Pfarrer darüber zu benehmen. Die Leute antworteten, solche Verwaltung sei ihnen vor etwa 26 Jahren durch die Nürnberger Herrschaft (in Lichtenau) bewilligt worden. Worauf ihnen der Bescheid erteilt wurde, daß sie sich stets mit dem Pfarrer zu benehmen hätten und ihm auch Rechnung ablegen müßten. Demnach scheint die Kapelle etwa um das Jahr 1494 erbaut worden zu sein, offenbar von den Bürgern der Gemeinde Sachsen, selbständig und aus eigenen Mitteln. Da aber von „Gefällen“ die Rede ist, die in dieser Kapelle geopfert wurden, so mußte selbstverständlich eine geordnete Verwaltung und Verrechnung statthaben. Von einer Weihe der Kapelle ist nichts bekannt. Doch war sie jedenfalls dem hl. Leonhard zu Ehren errichtet worden, dessen Gedenktag auf den 6. November fällt. St. Leonhard galt damals als Schutzpatron für die Landwirtschaft und besonders für das Vieh; er wurde hauptsächlich in Franken und Altbayern verehrt, und war ein richtiger „Bauernheiliger“.

 Wo seine Kapelle stand, ist völlig unbekannt. Es heißt nur „bei Sachsen“. Vermutlich war es eine Feldkapelle, wie man solche heute noch vielfach in katholischen Gegenden findet, meist an einem viel benützten Feldweg.

 Hinter Zandt, an der Stelle, wo die Fluren der drei Ortschaften Zandt, Großbreitenbronn und Bammersdorf zusammenstoßen, stand ehedem eine Kapelle, deren Grundmauern noch um 1890 sichtbar waren, die „Stephans-Kappel“, wie sie aus alten Karten genannt wird. Sie war, wie ihr Name besagt, dem hl. Stephan gewidmet, einem besonders in der Pfarrei Sachsen viel verehrten Heiligen. Näheres ist uns über die Kapelle nicht bekannt; das Feld ringsum heißt heute noch das „Kappelfeld“.