Seite:Georg Rusam - Grundlagen und Anfänge kirchlicher Organisation an der mittleren Rezat (Fortsetzung).pdf/17

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gefördert, schon im eigenen lebhaften Interesse. Mit vollem Recht wird man sagen können, daß der weitaus größte Teil der Kolonisationsarbeit im Gebiet der mittleren Rezat bis in die Nähe der Bibert vom Kloster und Stift zu Ansbach als der zuständigen Grundherrschaft ausgegangen ist.


7. Andere siedelnde Herrschaften

 Hiezu kann mangels geschichtlicher Nachrichten nur wenig gesagt werden. Es begegnen uns in der späteren Geschichte nur zwei Herrschaften, die in Frage kommen können, die Herren von Vestenberg und die von Schalkhausen-Dornberg.

 Die Vestenberger sind offenbar ein sehr altes Geschlecht. Schon 942 wird ein Philipp von Vestenberg urkundlich erwähnt, 948 ein Ehrenfried von Vestenberg. Die Überreste ihrer Burg bei dem Dorfe Vestenberg sind noch heute gut zu erkennen und zeugen von einer nicht gerade umfangreichen, aber für die damalige Zeit immerhin belangreichen und festen Anlage. Die Herrschaft war dort vermutlich bereits im 9. Jahrhundert ansässig. Die Vermutung liegt nicht fern, daß auch ihnen vom fränkischen König ein größeres Waldgebiet zur Kolonisierung überlassen wurde, sei’s als Eigenbesitz oder als Lehen. Letzteres dürfte wahrscheinlicher sein, da die Vestenberger später als Reichsministeriale erscheinen[1]. Sie sind wohl mit den Bruckbergern stammverwandt. Beide besaßen Schlösser zu Großhaslach und hatten im 13. Jahrhundert Sitze zu Bertholdsdorf, Dettelsau und an anderen Orten. Auf sie geht jedenfalls die Anlage des Dorfes Vestenberg zurück und weiterhin die der Orte Fronhof und Adelmannssitz, deren Namen schon für Herrensiedlung zeugt. Auch die Straßensiedlung Neukirchen ist allem Anschein nach von ihnen ausgegangen, da sie dort stets herrschaftliche Rechte ausübten (Gemeindeherrlichkeit, Kirchweihschutz u. a.), während das Stift Ansbach dort nichts zu sagen hatte. Das zwischen Neukirchen und Vestenberg gelegene Dorf Külbingen kann dann ebenfalls nur von ihnen stammen. Ihre Sitze in Bruckberg und Großhaslach können aber als Zeugen gelten, daß auch diese beiden Orte dem Geschlecht ihren Ursprung verdanken. Jedenfalls ist keinerlei Verbindung von Großhaslach und seinem großen Pfarrbezirk in der Folgezeit mit Ansbach zu erkennen, im Gegensatz zu Külbing und Neukirchen, die dem Parochialbezirk Sachsen und damit dem Patronat des Gumbertusstiftes unterstanden. Die Reichweite der alten Pfarrei Großhaslach über Ketteldorf, Betzendorf und Bürglein bis Gottmannsdorf, dann über Triebendorf bis an den Rand des Biberttales und westwärts bis zum Haslachgrund[2] führt zu der Erwägung, ob nicht dieses ganze Gebiet einst Vestenbergischer Lehensbesitz war und von ihnen kultiviert wurde. Besonders eigentümlich ist das Verhältnis der Pfarrei Großhaslach zu einem Streifen Landes südlich des Heilsbronner Waldes mit den Ortschaften Aich, Mausendorf, Triebendorf, Wollersdorf, Reuth, Watzendorf und Moosbach[3]. Das ganze Gebiet hängt landschaftlich mit Großhaslach


  1. Bosl 36 f.
  2. Schöffel 149.
  3. Schöffel 150.