Seite:Georg Rusam - Grundlagen und Anfänge kirchlicher Organisation an der mittleren Rezat (Fortsetzung).pdf/30

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daß die Bezeichnung „filia parochie in Sahsen“ nur den geschichtlichen Zusammenhang festlegen wollte, um das Patronatsrecht des Gumbertusstiftes, bzw. seines Propstes über Petersaurach zu begründen.

 Die Dotierung der Pfarrei zeigt sich in späterer Zeit als mäßig: ein hinreichender Grundbesitz, geringe Zehnten in Petersaurach, mehr Zehnten „von einem gewissen Distrikt um Ziegendorf gegen Immeldorf zu“, wie es in einer Beschreibung von 1810 heißt; dazu noch kleine zerstreute Zehnten in Altendettelsau, Immeldorf und anderen Orten der Umgebung. Man gewinnt den Eindruck, daß es sich überall um Neureuthzehnten handelt, während der Altzehnt anderswohin geflossen ist. Vielleicht gehörte er ursprünglich zum Kloster Ansbach, von wo er aber später weggekommen sein müßte, ähnlich wie es bei den Ausführungen über die Pfarrei Sachsen angedeutet wurde.

 Zu den Filialorten von Petersaurach ist zu bemerken:

 Gleizendorf besitzt eine alte Kirche mit St. Moritz als Patron. Dieser Heilige kommt erst vom 10. Jahrhundert ab allgemeiner vor. Das älteste Kirchlein wurde keinesfalls früher erbaut.

 Neuendettelsau verehrte den hl. Nikolaus, der zu den Reformheiligen zählt und sich erst vom 10. Jahrhundert ab in Deutschland durchsetzte. Die dortige Kirche dürfte erst im 11. Jahrhundert geweiht worden sein. Die Erhebung zur selbständigen Pfarrei erfolgte 1403.

 Wernsbach ist Filiale von Neuendettelsau. Kirchenpatron ist der hl. Laurentius. Sein Kultus kam erst im 11. Jahrhundert in Deutschland zur Blüte. Dahin weist auch der Bau der alten Kirche, entsprechend der Spätgründung des Ortes.


6. Neunkirchen und Schalkhausen

 Diese beiden Orte und ihre kirchliche Zugehörigkeit geben manches Rätsel auf. Neunkirchen ist siedlungsmäßig dem Altmühlgebiet zuzurechnen. Der Name „zur neuen Kirchen“ läßt sich ebenfalls nur von dort aus verstehen und zwar in Zusammenstellung mit der alten Kirche in Leutershausen. Anderseits scheinen Ort und Kirche auf einem zum Gumbertuskloster gehörten Grund und Boden errichtet worden zu sein, weshalb das Stift Anspruch auf das Patronat hatte. Auffallend ist es nun, daß das Gotteshaus zu Schalkhausen im Filialverhältnis zu Neunkirchen stand trotz der Nähe von Ansbach und der mehr als doppelten Entfernung von Neunkirchen. Auch wenn man berücksichtigt, daß die Pfarrkirche zu Ansbach erst um 920 errichtet wurde, kommt man zu keiner Übereinstimmung, da Schalkhausen aller Wahrscheinlichkeit nach sein Gotteshaus erst nach diesem Zeitpunkt erhalten hat, wie man teils aus der ungünstigen Siedlungslage und darum späten Entstehung des Ortes, teils aus dem Patrozinium des Spätheiligen Nikolaus schließen muß. Neunkirchen ist allerdings früher entstanden, ob aber früher als die Pfarrei Ansbach, erscheint fraglich, wenn auch das Patronat des hl. Georg das nicht ausschließen würde. Die Frage drängt sich auf, ob die Parochialgrenzen von Neunkirchen und damit ursprünglich von Leutershausen wirklich bis in die Nähe von Ansbach reichten. War dies der Fall, dann konnte die Gründung einer Pfarrei in