Seite:Georg Rusam - Grundlagen und Anfänge kirchlicher Organisation an der mittleren Rezat (Fortsetzung).pdf/4

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richtet sich mit innerer Notwendigkeit nach dem Tempo der Kolonisierungsarbeit. In einer Gegend, wie sie sich um die mittlere Rezat darbietet, muß dabei mit Jahrhunderten gerechnet werden.


2. Die ersten Siedlungen

 Wie wir bereits im ersten Teil dieses Aufsatzes, der von den „Forschungsquellen“ handelt, gesehen haben, geht es nicht an, das Alter der verschiedenen Niederlassungen im Gebiet der mittleren Rezat einfach nach der Form der Ortsnamen zu bestimmen. Ausschlaggebend ist und bleibt vielmehr der Grund und Boden, seine Lage, seine Bonität, seine leichtere oder schwierigere Bearbeitungsmöglichkeit, kurz seine Kulturfähigkeit. Wir müssen uns in die Lage eines siedelnden Bauern in jener alten Zeit hineinversetzen. Wenn er als einer der ersten in das Land kam, wenn er also noch die freie Wahl des Platzes für seine Hofanlage hatte, worauf wird er seine Blicke gerichtet haben? Welches war für ihn das beste und günstigste Gelände? Welchen Ort wird er sich mit dem Scharfblick eines praktischen Landmanns herausgesucht haben? Auch wo etwa eine Grundherrschaft die Siedlung veranlaßt oder wenigstens leitete, wird sie von den gleichen Gesichtspunkten ausgegangen sein, da ihr daran liegen mußte, einen möglichst leistungsfähigen Bauernstand heranzuziehen, damit sie von demselben auch die entsprechenden Abgaben (Zinsen, Gülten u. a.) einfordern konnte. Es hält nicht schwer, die maßgebenden Gesichtspunkte herauszufinden. Ein Vierfaches muß hiebei genannt werden:

 a) Der Bauer brauchte zunächst ein gutes, ebenes, leicht zu bebauendes Ackerland in möglichster Nähe des Hofes. Gut sollte das Feld sein, d. h. fruchtbar, ertragreich, mit entsprechendem Humusboden. Eben sollte das Land daliegen, denn bei den einfachen Ackergeräten jener Zeit erschwerte jede Unebenheit und jede schiefe Lage des Bodens den Feldbau ganz außerordentlich, machte ihn bei stark hängendem Gelände geradezu unmöglich. Leicht zu bebauen sollte das Feld sein, also kein schwerer, allzu lehmiger oder gar unter Nässe leidender Boden, auch kein seichter Sandboden, der leicht austrocknete und wenig Ertrag lieferte. Endlich sollte das Ackerland nahe beim Hofe liegen, damit seine Frucht gegen Feinde geschützt werden konnte (Wildschweine, Hirsche, menschliches Gesindel). Das Feld durfte nicht zu klein sein. Denn nach damaligem Brauch bebaute man ein Ackerland stets nur eine gewisse Zeit, bis sich nämlich der Boden zu erschöpfen begann, was bei dem Mangel jeglicher Düngung notwendig bald eintrat. Das alte Feld blieb dann als Brachland (Egarten) liegen, bis es sich wieder erholt hatte, während inzwischen ein anderes Landstück angebaut wurde. Unter Umständen wiederholte sich das ein drittes Mal, bis das erste Feld wieder in Betrieb genommen werden konnte.

 b) Was ein Bauer weiter benötigte, war ein guter, ertragreicher Wiesboden. Untauglich waren versumpfte Wiesen, wie sie sich damals weithin im Rezatgrund wie in den Seitentälern fanden und selbst heute noch trotz aller Kultur streckenweise finden. Unbrauchbar waren aber auch trockene Wiesen, deren Graswuchs im Sommer bald nachließ. Es mußten saftige, mit guten Gräsern bestandene Wiesen sein. Da man die Düngung