Seite:Gesammelte Schriften über Musik und Musiker Bd.1 (1854).pdf/213

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Schwärmbriefe.[1]


1. Eusebius an Chiara.

Zwischen all’ unsern musikalischen Seelenfesten guckt denn doch immer ein Engelskopf hindurch, der dem einer sogenannten Clara bis auf den Schalkzug um das Kinn mehr als ähnlich sieht. Warum bist Du nicht bei uns, und wie magst Du gestern Abend an uns Firlenzer[H 2] gedacht haben von der „Meeresstille“ an bis zum auflodernden Schluß der B dur-Symphonie![H 3]

Außer einem Concerte selbst wüßt’ ich nichts Schöneres als die Stunde vor demselben, wo man sich mit den Lippenspitzen ätherische Melodieen vorsummt, sehr behutsam auf den Zehen auf- und abgeht, auf den Fensterscheiben ganze Ouvertüren aufführt … Da schlägt’s drei Viertel. Und nun wandelte ich mit Florestan die blanken Stufen hinauf. Sebb, sagte der, auf Vieles

  1. „Wahrheit und Dichtung“ könnten auch diese Briefe heißen.[H 1] Sie betreffen die ersten unter Mendelssohn’s Leitung gehaltenen Gewandhausconcerte im October 1835.

Anmerkungen (H)

  1. [GJ] Die Schwärmbriefe sind auch an eine „ideale Person“ gerichtet: an Chiara, d. i. Clara Wieck, die sich aber nicht in „Mailand“ sondern in Dresden befand. Die gemeinschaftliche Fahrt nach Venedig ist ebenfalls erdichtet, Schumann mochte an seine eigene italienische Reise (1829) zurückdenken. Vgl. FN 42, I.335–336.
  2. [GJ] d. h. Leipziger.
  3. [GJ] Am 4. October trat Mendelssohn zuerst als Capellmeister der Gewandhausconcerte auf.