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save the king (namentlich im Allegro, wo es verkürzt englisirt erscheint,) ganz andre erblicken als enthusiastische. Doch das gehört vor ein anderes Gericht.

12.




Hector Berlioz, Ouverture zur heimlichen Vehme (Ouverture des Francs-Juges). W. 3.[H 1]

Die Wahl der Stoffe, die sich Berlioz als Hintergrund seiner Musik stellt, verdient an sich schon den Beinamen des Genialischen. So schrieb er Compositionen zu Goethe’s Faust, zu Moore’s Gedichten, zum König Lear, zum Sturm von Shakespeare, zu Sardanapal, zu Childe Harold von Lord Byron.[H 2] Von der obigen Ouverture weiß ich nicht, ob sie eine freie Concertouverture ist oder ein Drama einleiten soll.[H 3] Indeß bezeichnet der Titel den Inhalt und Charakter scharf genug. Sie ist, wie sich der Leser aus einer frühern Lebensskizze über Berlioz entsinnen wird,[H 4] in einer kritischen Epoche seines Lebens entstanden und trägt davon die Spuren. Freilich ist das Arrangement kaum mehr als ein ärmliches Skelett, worauf der Componist den Arrangeur gerichtlich belangen könnte,[H 5] und allerdings mag sich wohl keine Orchestermusik schwerer zu einem Arrangement eignen, als Berliozsche. So viel aber die Phantasie das Orchester nach den Stimmen ergänzen kann, verlohnt es sich wohl der Mühe eines deutschen, die Ouverture aufzuführen, wär’ es auch nur, um die Extreme der französischen

Anmerkungen (H)

  1. [WS] Hector Berlioz (1803-1869): Grande Ouverture des Francs-Juges op.3 (1826/1834) Partitur bei IMSLP. Die Oper in drei Akten ist bis auf sechs Nummern verlorengegangen.
  2. [WS] Nach Goethe: Huit scènes de Faust op.1 (1828–1829), 1846 erweitert zu La damnation de Faust op.24, dramatische Legende in vier Akten. Nach Thomas Moore: der Liederzyklus Irlande op.2 (1829), das Chorstück Méditation religieuse op.18,1 (1831/1849), die Ballade La belle voyageuse op.2,4 (1829/1844). Nach Shakespeare: die Konzert-Ouverture Grande Ouverture du Roi Lear op.4 (1831) für Orchester, Fantaisie sur la Tempête (1831, aus dem Monodrame lyrique, Lélio ou Le retour à la vie op.14b) für Chor und Orchester – später komponierte Berlioz weitere Stücke zu Motiven von Shakespeare. Zu Sardanapal: die Kantate nach Jean-François Gail La dernière nuit de Sardanapale (1830), mit der er den Rom-Preis gewann. Nach Byron: Harold en Italie op.16, (1834) für Viola und Orchester.
  3. [GJ] Berlioz schrieb 1826 eine Oper: Les francs-juges, die aber niemals aufgeführt wurde.
  4. [HS] Von Panofka gelegentlich der Symphonie fantastique für die „N. Zeitschr.“ geschrieben. [WS] Heinrich Panofka: Aus Paris – Über Berlioz und seine Compositionen, in: Neue Zeitschrift für Musik 1835, Bd. 2, S. 67–69, 71–72. Internet Archive
  5. [GJ] In der That brachte Nr. 19 der Pariser Gazette musicale einen Brief von Berlioz an F. Hofmeister (vom 8. Mai), worin er sich über die vierhändige Bearbeitung seiner Ouverture hart beklagte. Internet Archive