Seite:Gesammelte Schriften über Musik und Musiker Bd.1 (1854).pdf/311

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Es läßt sich eben über solche Werke — beinahe fuhr ich jetzt in eine frühere Periode. Noch wundert mich, daß ein Mann von so bedeutenden contrapunctischen Kenntnissen sie nicht mehr merken läßt, — zwar will sich im letzten Satz eine Fuge aufthun, hört aber gleich wieder auf. Himmel, wie ich’s die Leute fühlen lassen wollte, daß sie keine Fugen machen könnten, vergrößern, umdrehen, doppelt rückwärts umdrehen![H 1] Oder gehört der Componist zu jenen Talenten, die immer klarer und durchsichtiger abquellen, je mehr sie arbeiten im geheimnißvollen Schacht des Contrapunctes, während Andere wohl Elephantenzähne, Perlen in Schalen, versteinerte Palmenblätter herausbringen? Das erste weiß ich; von letztern zeige er uns in künftigen Trio’s! —

Stiege nach der Güte der ersten Seite des Trio’s, das mir jetzt vorliegt – von F. W. Jähns (W. 10)[H 2] —, nach dem wirklich glücklichen Anfang, die ganze Composition bis zum Schluß oder culminirte sie sich zur Mitte und fiele dann wieder in die Linie des Anfangs zurück, so könnte man loben nach Herzenslust. Aber, aber gleich auf der andern Seite überfällt den Componisten ein Rhythmus, den wir freilich Alle wie eine lyrische O- und Ach-Zeit durchzumachen haben, — derselbe, mit dem Beethoven seine C moll-Symphonie[H 3] anfängt, und ich sah voraus, wie sich Componist nun zeigen werde und arbeiten, da ich aus Erfahrung weiß, wie er dem Unglücklichen aufhuckt, der sich mit ihm zu schaffen macht. Zwar bricht auf S. 4 im letzten System

Anmerkungen (H)

  1. [WS] Schumann spielt auf die komplexeren Fugen-Gattungen an, wie sie beispielsweise in Johann Sebastian Bachs Kunst der Fuge vorkommen: die Themen augmentiert (vergrößert), gespiegelt (umgedreht) und zugleich gespiegelt und im Krebsgang (rückwärts) kombiniert.
  2. [WS] Friedrich Wilhelm Jähns (1809–1888), deutscher Komponist und Dirigent, sein Klaviertrio Grand Trio A–Dur op. 10 wurde 1833 in Berlin bei Schlesinger gedruckt.
  3. [WS] das sogenannte „Schicksalsmotiv“ mit dem die Sinfonie Nr. 5 op. 67 beginnt: drei Achtel vor einer Halben Note (ta-ta-ta taaaa).