Seite:Geschichte des Dt Buchhandels 1 02.djvu/021

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Der zweite Typograph Straßburgs, ein würdiger Genosse Mentels, war Heinrich Eggestein, von Rosheim gebürtig. Er hatte auf einer Universität den Magistergrad erlangt. Nach Straßburg gekommen, bekleidet er nach 1427 bis 1463 das Amt eines Insiglers, kommt später nur noch als Schreiber vor und hat sich alsdann der Buchdruckerkunst zugewandt. Für seine anfängliche Verbindung mit Mentel spricht ein Zeugnis des Hieronymus von Gebwiler[1] , der ein Dokument gesehen haben will, nach welchem Eggestein sich gegen Mentel verpflichtete, ihr gemeinsames Verfahren geheim zu halten. Aus diesem Umstande könnte geschlossen werden, daß Mentel jenem die Kunst gelehrt habe. Wäre dieses der Fall, so würde die Genossenschaft von nicht langer Dauer gewesen sein, denn durch einen Schirmbrief vom 30. April 1466 nahm Kurfürst Friedrich von der Pfalz, als Landgraf vom Elsaß, Eggestein und dessen Arbeiter in seinen besondern Schutz, ein Beweis dafür, daß er in jenem Jahre[2] bereits für sich allein arbeitete. Eins seiner schönsten, uns heutzutage wertvollsten Werke ist die erste deutsche Bibel (ohne Druckerfirma und Jahreszahl erschienen), von welcher durch mehrere rubrizierte Exemplare erwiesen ist, daß sie mindestens 1466 gedruckt sein muß; sie enthält 404 Blätter in zwei Spalten zu je 60 Zeilen. Mentel stellte erst nach ihr die oben angeführte zweite deutsche Ausgabe her.

Seinen ersten datierten, und zugleich den ersten datierten straßburger Druck überhaupt, lieferte Eggestein in dem Riesenfolianten des „Decretum Gratiani“ von 1471, nachdem er bereits drei lateinische undatierte Bibeln hatte erscheinen lassen. Trotzdem, daß Schöffer in Mainz dieses „Decretum“ nachzudrucken sich beeilte, gab Eggestein doch schon 1472 eine neue Auflage heraus, ein Beweis für den reißenden Absatz des Werkes. In demselben Jahre veranstaltete Eggestein noch eine Ausgabe der „Clementinae“, in deren Explicit er seinen Namen nennt und hinzufügt, daß von ihm schon zahllose Werke über göttliches und menschliches Recht ausgegangen seien. Man war bisher geneigt, dieses Wort als starke Übertreibung aufzufassen oder den Ausdruck volumina im Sinne von Exemplaren zu deuten; indessen hat neuerdings der Klemmsche Katalog nachgewiesen[3] , daß demselben Typographen eine größere Zahl von Werken angehört, die bisher einem „unbekannten straßburger Drucker“ oder durch Irrtümer und Verwechselungen auch den Typographen Georg Reiser in Würzburg und Christoph Valdarfer in Mailand zugeschrieben wurden,


Fußnoten

  1. Panegyris Carolina. Straßburg 1521. S. 19.
  2. Linde, v. d., a. a. O. S. 65.
  3. Katalog der Klemmschen Sammlung. S. 104–106.


Empfohlene Zitierweise:
Friedrich Kapp: Geschichte des Deutschen Buchhandels Band 1. Verlag des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler, Leipzig 1886, Seite 85. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Geschichte_des_Dt_Buchhandels_1_02.djvu/021&oldid=- (Version vom 1.8.2018)