Seite:Geschichte des Dt Buchhandels 1 02.djvu/022

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

sodaß durch diesen Zuwachs das stolze Wort des Meisters Eggestein im eigentlichen Sinne wahr zu werden scheint. Sein letzter datierter Druck sind die Decretalen Innocenz’ IV. von 1478; seine Thätigkeit scheint also zu gleicher Zeit mit der Mentels erloschen zu sein. Sein Todesjahr ist unbekannt.

Der nächste Buchdrucker Straßburgs ist Georg Huszner, ursprünglich Goldschmied. Er wurde straßburger Bürger, als er 1470 die Tochter des Nikolaus von Honau heiratete, der als „aurifaber et pressor librorum“ mit seinem Schwiegersohn zusammen gearbeitet haben soll.[1] Teilhaber aber am ersten (1473) datierten Drucke Huszners, dem „Speculum judiciale“ des Bischofs Wilhelm Duranti, war der Mainzer Johann Beckenhub, der sich als Kleriker bezeichnet. Es ist ein Meisterwerk der Typographie: der Druck von wundervoller Reinheit, die Type ebenso originell als gefällig. Im Explicit sind die besonders erwähnten metallenen Typen – exculptae aere literae – bemerkenswert. Huszners spätere Drucke von 1476 bis 1498 führen nur noch seinen Namen allein an. Er starb erst 1505, wird aber, ungeachtet daß er bis an sein Ende die Goldschmiedezunft im Stadtrat vertrat, in Urkunden immer noch als Drucker bezeichnet. Beckenhub tritt später in Würzburg und Regensburg als Teilhaber anderer Buchdruckereien auf; bei Koberger in Nürnberger und Amerbach in Basel erscheint er auch als Korrektor.

Ein bedeutender Buchdrucker war Martin Flach, 1475 bis 1500, der fast überall mit dem Baseler Martin Flach verwechselt wird. Es ist jedoch erwiesen, daß beide zwei verschiedene Personen sind. Er wurde 1472 straßburger Bürger. Die Zahl seiner Drucke ist beträchtlich. Schmidt hat deren mit seinem Namen 70 gezählt; mit Einschluß der undatierten mögen auf ihn wohl gegen hundert kommen, welche ihm sogar das begeisterte Lob zeitgenössischer Poeten eintrugen. Seine Thätigkeit verdient übrigens nur nach ihrer technischen Seite Anerkennung; seine litterarischen Verdienste bleiben weit hinter denen seiner zeitgenössischen Nebenbuhler Johann Prüß und Johann Grüninger zurück, welch letztere mehr einen wissenschaftlichen Verlag pflegten. Man kennt von Martin Flach, Flaccus oder Simus, wie er sich auch nennt, kaum ein Werk, welches nicht dem starren theologischen Dogma huldigte. Er starb am 26. Oktober 1500.[2]


Fußnoten

  1. Schmidt, C., a. a. O. S. 105; ferner für die nächsten Seiten 99 Anm. 2 und 106 u. 107.
  2. Schmidt, C., a. a. O. S. 108.


Empfohlene Zitierweise:
Friedrich Kapp: Geschichte des Deutschen Buchhandels Band 1. Verlag des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler, Leipzig 1886, Seite 86. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Geschichte_des_Dt_Buchhandels_1_02.djvu/022&oldid=- (Version vom 1.8.2018)