Seite:Geschichte des Dt Buchhandels 1 02.djvu/088

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sich manche von Leipzig weg. Simon Eckstein geht nach Annaberg, Georg Pfennig nach Posen, Peter Hofer und Jakob Stöckel siedeln nach Eisleben über, Hans Bergmann wird 1533 der Religion wegen mit ausgetrieben. Gleichzeitig verschwindet Pantzschmanns Buchhandel spurlos. Die Zahl der Druckereien mindert sich auf die Hälfte. Erwähnt sind schon Wolfgang Stöckel, Martin Landsberg und M. Erasmus Bachelbel, Jakob Thanner. Melchior Lotter übersiedelte seine Druckerei mit seinem Sohn Michael nach Magdeburg und übergab allem Anschein nach 1537 seine Buchhandlung an Henning Sosadt. Die Einführung der Reformation in Leipzig überdauern von den schon bestehenden ältern Druckereien nur die von Nickel Schmidt, Michael Blum und Valentin Schumann; eine einzige neue Druckerei war daneben seit den zwanziger Jahren entstanden: 1533 die Nickel Wolrabe’s vielleicht eine Abzweigung der Lotterschen.

Aus jener Zeit sind noch zu erwähnen: Georg Kellner (fraglich), der 1511 mit einem bei Wolfgang Stöckel gedruckten Werke vorkommt. Blasius Salomon ließ ein Werk bei Joh. Schott in Straßburg drucken; ein Brief Frobens an Luther erwähnt ihn als thätigen Buchhändler. Er besuchte die Frankfurter Messe und existierte, oder vegetierte schließlich noch bis gegen 1539. Von den nicht verlegenden Buchführern prosperierte nur die Familie Clement. Von Sebastian Reusch (1540 bis 1556) wird sogleich die Rede sein.

Wenn so die Regierungszeit Herzog Georgs dem soliden Geschäft schweren Abbruch that, so zeitigte sie dagegen ein Schwindelgeschäft, welches sich nach Einführung der Reformation 1539 zu fast unglaublicher Ausdehnung entwickelte: das des schon genannten Nickel Wolrabe. So bedeutend derselbe in den Erzeugnissen seiner Druckerei erscheint, so unsolid zeigt er sich in geschäftlicher Hinsicht. Sein böser Genius war Sebastian Reusch, ein bedeutender Handelsherr, der den unbemittelten und doch unternehmenden Mann durch Darlehne unterstützte, nicht ohne seinen eigenen Vorteil dabei im Auge zu haben, der sich auch stets zum Schaden anderer Gläubiger herauszuziehen wußte. Noch zur Zeit der Regierung Herzog Georgs hatte Wolrabe den Druck von Georg Wizels „Postille“ übernommen. Nach Georgs Tode erfolgte auf Andrängen des Kurfürsten Johann Friedrich ein Verbot, weil nichts Antilutherisches mehr in Leipzig gedruckt werden sollte! Trotz dieses Verbots ließ der

Empfohlene Zitierweise:
Friedrich Kapp: Geschichte des Deutschen Buchhandels Band 1. Verlag des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler, Leipzig 1886, Seite 152. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Geschichte_des_Dt_Buchhandels_1_02.djvu/088&oldid=- (Version vom 1.8.2018)