Seite:Geschichte des Dt Buchhandels 1 02.djvu/110

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Wenn auch nicht die erste überhaupt, so doch die erste bedeutendere ständige Druckerstadt Norddeutschlands wurde Lübeck, wo die Thätigkeit von Lukas Brandis, 1475 bis 1499, von Bartholomäus Gothan, 1480 bis 1492 und besonders von Stephan Arndes von Hamburg, 1487 bis 1519, eine beträchtliche Anzahl von Druckwerken schuf. Letzterer, ein früherer Gehilfe Johann Neumeisters, der im nächsten Kapitel eine Rolle zu spielen haben wird, war von Foligno nach Perugia, dann nach Schleswig und zuletzt nach Lübeck gekommen. Hier zeichnet ihn besonders der Druck der zweiten niedersächsischen Bibel von 1494 aus. Weitere Drucker Lübecks sind noch Georg Richolff und der, wenn auch mit Unrecht, sprichwörtlich gewordene Johann Ballhorn, 1531 bis 1599. Auch Ludwig Dietz von Rostock kam 1533 zum Behuf des Drucks seiner ersten niedersächsischen Übertragung von Luthers Bibelübersetzung nach Lübeck, begab sich aber nach Vollendung dieses Prachtwerks 1534 wieder nach Rostock zurück, wo er 1559 starb.

Von lübischen Buchführern sind aus jener Zeit zu nennen Paul Knufflock[1] und Lorenz Albrecht. Ersterer, eigentlich Buchbinder, war nebenbei auch Schriftsteller und Übersetzer. Er verlegte unter anderm 1569 zuerst ein oft wieder gedrucktes Gebetbuch (Bedebok) und stand in lebhafter Geschäftsverbindung mit den dänischen Gebieten. Ebenso ausgedehnt waren die buchhändlerischen Beziehungen Lübecks zu den Ostseeprovinzen; sie datieren bereits aus dem 15. Jahrhundert.

Der Zeit nach folgen Rostock, 1476, wo die „Brüder vom gemeinsamen Leben“ eine fruchtbare Thätigkeit entwickelten, und Prag, wo 1478 die „Articuli Statuum Utraquisticorum in comitiis Nimburgensibus conclusi“ lateinisch und czechisch gedruckt wurden; dann Eichstadt und Würzburg, wo 1478 und 1479 die Kunst durch Michael und Georg Reyser eingeführt wurde.

In Erfurt fand die Buchdruckerkunst 1482 eine Stätte. Der erste Drucker ist Paul Wider von Hornbach, bis 1485. Weiterhin druckten Hederich und Marx Ayrer, welch letzterer vorher in Nürnberg und später in Ingolstadt gearbeitet hatte; ferner Wolfgang Schenk (Lumpabulus Ganymedes). Der sonstigen Drucker und Verleger Erfurts in der Zeit des Humanismus wird im sechsten Kapitel gedacht werden. Nach Ablauf dieser Periode sinkt der Buchdruck Erfurts zur Unbedeutendheit herab und liefert, außer populärer Litteratur, meist nur Lohnarbeit für auswärtige Verleger; erst im 18. Jahrhundert blüht er wieder auf.


Fußnoten

  1. Wiechmann-Kadow, Paul Knufflock, Buchhändler zu Lübeck. (In: Zeitschrift des Vereins für Lübeckische Geschichte und Altertumskunde. II, 2. 1865.)


Empfohlene Zitierweise:
Friedrich Kapp: Geschichte des Deutschen Buchhandels Band 1. Verlag des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler, Leipzig 1886, Seite 174. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Geschichte_des_Dt_Buchhandels_1_02.djvu/110&oldid=- (Version vom 1.8.2018)