Seite:Geschichte des Dt Buchhandels 1 03.djvu/035

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salvationis“ in dem 1481 ebenfalls zu Utrecht von Johann Veldener gedruckten „Epistelen ende Evangelien mitten Sermonen van al den jaere“ wiederfinden, und zwar dem Format des Werks angepaßt in zwei Hälften geteilt, so darf dies als weiterer Grund gelten, um der Stadt Utrecht den ersten Platz unter den niederländischen Druckstädten zuzusprechen.

Wenn also auch die erste holländische Druckerstadt, so ist Utrecht doch von keiner weittragenden Bedeutung als solche; außer den ersten dortigen Typographen Kettelaer und Leempt, welche in den Jahren 1473 und 1474 daselbst 26 Druckwerke herstellten, darunter drei datierte, trat 1475 noch Wilhelm Hees mit sechs Erzeugnissen auf, während Johann Veldener, der vorher schon in Löwen thätig war und später nach Culenborg in Geldern übersiedelte, hier von 1478 bis 1481 acht verschiedene Werke druckte, unter welchen der „Fasciculus temporum“ von 1480 lange als das erste Buch mit Randverzierungen in Holzschnitt gegolten hat. Von ihrem hauptsächlichen ornamentalen Bestandteil, den Weinranken, „vignettes“ genannt, wurde diese Bezeichnung für jeden ähnlichen Schmuck beibehalten. Diese Angabe sei hier jedoch nur wiederholt, um ihrer langen Reise durch die Litteratur endlich ein Ziel zu setzen; denn es steht fest, daß Johann Zainer in Ulm sich schon um 1470 eines gleichartigen Bücherschmucks bediente.

Der zweite niederländische Druckort ist die ostflandrische Stadt Aalst, in welcher 1473 und 1474 die berühmten Druckerdioskuren Johann der Westfale, aus Hachen, im jetzigen Regierungsbezirk Arnsberg in der Diöcese Paderborn, und Dierck Martens ihre Laufbahn begannen. Während Martens daselbst bis 1490 thätig blieb und sich erst dann nach Antwerpen und Löwen wandte, verließ Johann der Westfale schon 1474 die Stadt, um die Kunst nach Löwen, der alten Hauptstadt Südbrabants, welche durch ihre 1426 begründete Universität sich eines bedeutenden Rufs erfreute, zu tragen. Löwen wurde die erste Stadt der Niederlande, in welcher die Buchdruckerkunst zu wirklicher Bedeutung gelangte; sie verdankte dies vorwiegend der außerordentlichen Thätigkeit Johanns. Er lieferte daselbst von 1474 bis 1496 über 180 bekannte Drucke, von denen 57 Firma und Datum aufweisen. Sein Verlag vertritt alle Seiten des damaligen litterarischen Lebens; das Recht und die Theologie kommen zu gleicher Geltung, wie die Werke der Alten und

Empfohlene Zitierweise:
Friedrich Kapp: Geschichte des Deutschen Buchhandels Band 1. Verlag des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler, Leipzig 1886, Seite 214. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Geschichte_des_Dt_Buchhandels_1_03.djvu/035&oldid=- (Version vom 1.8.2018)