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(vielfach in Sachsen), Turm[1], Stern, Schiff, Kleeblatt, Rosette, die gebräuchlichsten Waffen und Werkzeuge, das Hifthorn, Wappen- und Haustiere, die Granatblüte mit Blättern, die Birne mit Blättern u. a. m. sind wohl in allen Ländern gebräuchlich gewesen. Von seltenen und originellen Marken wären zu verzeichnen das Veronicatuch (1399), die Mönchskapuze, das Weberschiffchen (14. Jahrhundert), der Leopard mit untergeschlagenem Schweif (1406), der Dudelsack (1413), der thronende Papst (1456) und die, wie es scheint, letzteres Bild karikierende grinsende Figur mit einem Krummstab (1499), der Schubkarren mit einem Kreuz statt des Rades (1457), zwei kämpfende Affen (1457), ein Satyr mit einem Scepter (1459), Blitze unter einer Krone (1482) – sämtlich französisch –, die Sirene (zuerst norditalienisch, ungefähr 1361).

Einzelne Wasserzeichen haben für lange Zeit gewissen Papiersorten den Namen geliehen, wie Kronenpapier, Adlerpapier, Raisin u. a. m. In England werden noch jetzt Bücherformate nach den ehemaligen Wasserzeichen benannt, z. B. post 8vo – nach Denne[2] ist diese Bezeichnung von dem Hifthorn hergeleitet, welches in späterer Zeit für ein Posthorn angesehen wurde –, crown 8vo, foolscap; auch in Deutschland war dies bezüglich des Pro patria (das Wappen der Generalstaaten von Holland) noch bis in das laufende Jahrhundert hinein üblich.


Die Sitte, das Geschriebene mit Zeichnungen zu schmücken[3], ist so alt wie das Bücherschreiben. Und zwar gehen hier die lehrhafte Absicht und der künstlerische Schaffensdrang teils nebeneinander her, teils vereinigen sich beide. Bei den Römern erkennt man, soweit Nachrichten vorliegen, die erstere Richtung: Naturhistoriker lieferten Abbildungen der Pflanzen oder Tiere, von welchen ihr Text handelte, Mathematiker gaben die Figuren zu ihren Lehrsätzen, und auch die 700 Bildnisse, mit denen Marcus Terentius Varro (112 bis 28 v. Chr.) seine „Hebdomades“ (in einer Art autographischer Vervielfältigung?) ausgestattet haben soll, würden ebenfalls dahin zu rechnen sein. Hier handelt es sich mithin um die Illustration im eigentlichen Sinn, d. i. die bildliche Erläuterung des Wortes. Aber schon in dem Virgil aus dem 4. Jahrhundert n. Chr., welcher eins der kostbarsten Cimelien der vaticanischen Bibliothek bildet, fällt der praktische Zweck fort: angeregt durch den Dichter,


Fußnoten

  1. Ein Turm von eigentümlicher Form: oberhalb des Fußes eine Ausbauchung, drei Zinnen, ist nach Sotzmann die Marke der besten ravensburger Papiersorte.
  2. Vergl. Anm. 18.
  3. Wattenbach a. a. O. S. 196 fg. – Unger, Griechische Kunst in Ersch und Gruber, Encyklopädie. I. Sekt. 84. Teil. – Bastard, Peintures et ornements des manuscrits. Paris 1835 fg. – Westwood, Facsimiles of the miniatures and ornaments of Anglo-Saxon and Irish manuscripts. London 1868. – Rahn, Das Psalterium Aureum von St. Gallen. St. Gallen 1878. – Schnaase, Geschichte der bildenden Künste. Düsseldorf 1866 fg. – Woltmann, Geschichte der Malerei. Leipzig 1879. – Labarte, Histoire des arts industriels. Paris 1872 fg. – Kugler, Kleine Schriften. Stuttgart 1853 fg. – Bucher, Geschichte der technischen Künste. Stuttgart 1875 fg.


Empfohlene Zitierweise:
Friedrich Kapp: Geschichte des Deutschen Buchhandels Band 1. Verlag des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler, Leipzig 1886, Seite 235. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Geschichte_des_Dt_Buchhandels_1_04.djvu/014&oldid=- (Version vom 1.8.2018)