Seite:Geschichte des Dt Buchhandels 1 04.djvu/013

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italienischen Ochsen sind an der Wurzel weniger dick als beim deutschen; speziell venezianisch scheint das Anbringen eines Buchstaben oder einer Krone auf der Schnauze zu sein; der niederländische soll meistens keine besondere Nasenlinie haben. Doch dürfte der Wahrheit näher kommen, daß man vom einfachsten Umriß ausgegangen, dann die Augen, die Nasenlinie, in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts auch Augenbrauen hinzugefügt und ebenso in den besondern Zuthaten fortwährend Neuerungen gesucht habe, um Spielarten der großen Sippe des Ochsenkopfpapiers zu kennzeichnen: Stange mit Andreaskreuz, mit lateinischem und Andreaskreuz, mit Rosette, mit Krone, mit Stern, mit Kreuz und Schlange u. s. w.

Das Zeichen der Wage ist in Venedig besonders beliebt gewesen; es kommt in frühen dortigen Drucken am häufigsten und in mannichfaltigen Abwechselungen vor: mit runden oder dreieckigen Schalen, mit Kreuz, Stern, Krone u. s. w. Doch wird dasselbe schon 1366 in Südfrankreich und 1371 in Nordfrankreich konstatiert – wohin die Marke, aber auch das Papier selbst, aus Italien gekommen sein mag.

All den verschiedenen Marken nachzugehen ist hier nicht der Ort; zum Abschluß genügt die Aufführung der noch außer den genannten besonders verbreiteten oder sonst merkwürdigen.

Die Glocke: um die Mitte des 14. Jahrhunderts in Oberitalien, dann in Südfrankreich, Deutschland u. s. w. Schlüssel, einzeln, zwei nebeneinander, zwei gekreuzte, kommen im 14. Jahrhundert in Nordfrankreich auf und werden im 15. allgemein. Die Armbrust, ferner der gespannte Bogen mit einem Pfeil sind zuerst in Nordfrankreich nachgewiesen und scheinen sich von dort nach den verschiedenen Himmelsgegenden verbreitet zu haben, ebenso der Anker, während der Krug, im 14. Jahrhundert in einfacher Zeichnung beginnend, dann mit Blumen, Kronen u. s. w. ausgestattet und endlich unter Ludwig XIV. zu einem reichverzierten Prachtgefäß sich ausbildend, vorwiegend französische Marke bleibt, doch aber auch in England vorkommt (pot-paper). Dem Rad begegnet man um die Mitte des 14. Jahrhunderts in Oberitalien; in Frankreich kommt es zumeist als das mit Widerhaken besetzte sogenannte Katharinenrad vor. Die offene Hand oder der Handschuh – gewöhnlich in Verbindung mit einem Kreuz, einer Rosette, einer Krone –, Kardinalshut, Königskrone, Kaiserkrone, Stadtmauer, Stadtthor

Empfohlene Zitierweise:
Friedrich Kapp: Geschichte des Deutschen Buchhandels Band 1. Verlag des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler, Leipzig 1886, Seite 234. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Geschichte_des_Dt_Buchhandels_1_04.djvu/013&oldid=- (Version vom 1.8.2018)