Seite:Geschichte des Dt Buchhandels 1 05.djvu/014

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

drei von Johann Mentel in Straßburg, je einer von Günther Zainer, Johann Bämler und Anton Sorg in Augsburg, einer von Johann Regiomontan und ein späterer (1486) von Anton Koberger. Der Hausierer stellte auf dem Jahrmarkt oder der Messe einer Stadt, oder an öffentlichen Plätzen, an den Kirchenthüren (den altherkömmlichen Verkaufsständen der Handschriftenhändler), in Universitätsstädten vor den Thüren der Kollegien und Bursen, oder im Wirtshaus seine Vorräte aus und kündigte zugleich deren Verkauf in Anschlagzetteln an, wie dies vor ihm schon die Handschriftenhändler gethan hatten. Während die Anzeigen in groß Folio als Mauerplakate dienten, waren andere in Oktav oder Quart gedruckte Ankündigungen wohl zur Verteilung aus der Hand, oder auch zum Einkleben in die gebundenen Bücher bestimmt. Die ältesten dieser Anzeigen stammen von Mentel her und dienten verschiedene von ihm gedruckte Werke zum Verkaufe an: so die 1469 erschienene „Summa Astexana“, die 1470 oder 1471 vollendeten „Epistolae Sancti Hieronymi“ und das 1473 herausgegebene „Speculum historiale“. Sie beginnen übereinstimmend mit dem Worte „Cupientes“ oder „Volentes emere“ und schließen mit dem Satze: „Veniant ad hospicium zu dem ....“ und versprechen dem Käufer einen billigen Verkäufer (habebunt largum venditorem). Im Anhang unter V sind die drei Mentelschen Prospekte und ein Bämlerscher wörtlich abgedruckt.

Die offen gelassene Stelle am Ende der Mentelschen Anzeigen beweist deutlich, daß seine Hausierer von einem Ort zum andern zogen und jedesmal bei ihrer Ankunft den Namen ihres Wirtshauses einschrieben; die lateinische Sprache aber läßt erkennen, daß er, wie auch die meisten der seinem Beispiel folgenden Verleger, vorzugsweise Gelehrte oder Klöster im Auge hatten. Das Geschäft in letztern kann nicht unbedeutend gewesen sein, da sie vielfach weit entfernt von der Heerstraße lagen und sich ihren litterarischen Bedarf durch diese Hausierer vermitteln lassen mußten. So findet sich am Schluß eines Exemplars der Postille des Nikolaus von Lyra folgende Bemerkung eingetragen[1]: „Dieses Buch gehört der Benediktinerabtei Sancta Maria von Montebourg in der Diöcese Constances, Provinz Rouen. Gekauft im Kloster der genannten Abtei von einem Hausierer (librario venales libros deportanti) am 8. August im Jahre des Herrn 1487. Es kostet dreißig tourainische Sous. Bescheinigt Janicart.“


Fußnoten

  1. Madden a. a. O. V. 240; Kirchhoff a. a. O. II, 32.


Empfohlene Zitierweise:
Friedrich Kapp: Geschichte des Deutschen Buchhandels Band 1. Verlag des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler, Leipzig 1886, Seite 276. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Geschichte_des_Dt_Buchhandels_1_05.djvu/014&oldid=- (Version vom 1.8.2018)