Seite:Geschichte des Dt Buchhandels 1 06.djvu/024

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Nun war es aber Aldus sehr um den Absatz seiner Verlagswerke zu thun, und er wäre gewiß der letzte gewesen, von Basel aus Aufträge abzuwarten, wenn sich inzwischen der Charakter seiner geschäftlichen Beziehungen zu Deutschland geändert, er nunmehr etwa ein stehendes Lager in Deutschland zur Befriedigung seiner Kunden gehabt hätte. Offenbar haben die fast ununterbrochenen Kriege des Kaisers Maximilian mit Italien und die dadurch bewirkte Unsicherheit der Straßen und der Zahlungsverhältnisse den großen venezianischen Verleger von dem Besuche oder der Beschickung der frankfurter Büchermessen abgehalten. Nicht einmal der Name Frankfurts kommt in seiner umfangreichen Korrespondenz vor. Dagegen ist es wahrscheinlich genug, daß manches in Basel, Augsburg oder Nürnberg erhandelte Werk seines Verlags auf Umwegen nach Frankfurt gelangte und dann dort auf der Messe weiter verkauft wurde. Erst seine Erben und Söhne gingen regelmäßig nach Frankfurt. Das Geschäft bestand bis 1597, dem Todesjahre des Enkels, und veröffentlichte im ganzen 1049 Werke, worunter 137 theologische, 21 juristische, 125 allgemein wissenschaftliche, 628 Klassiker und Wörter- oder Handbücher zu denselben, sowie endlich 138 geschichtliche.

Aldus war nur 20 Jahre in seinem Beruf thätig (1495 bis 1515) und wurde während dieser Zeit sogar vielfach durch Kriege (wie 1506, 1510 und 1511) und Geldsorgen in seinen Arbeiten gestört; indessen hat er trotzdem nicht weniger als 126 Werke von jenen 1049 gedruckt, von deren meisten er die handschriftlichen Quellen erst beschaffen und kritisch revidieren mußte. Von diesen seinen Veröffentlichungen gehören nur 2 der Theologie an, während 16 auf die Geschichte, 20 auf die schönen Wissenschaften, 88 auf die alten Klassiker, Grammatiken und Handbücher fallen. Ein juristisches Werk ist dagegen überhaupt nicht von ihm verlegt worden. Einzelne Klassiker, wie Homer und Euripides, erschienen in je zwei Folianten, andere, wie Ovid, in drei Bänden und Aristoteles sogar in fünf Folianten. Eduard Frommann hat in seinen vortrefflichen „Aufsätzen zur Geschichte des Buchhandels im 16. Jahrhundert“ (II, 11 bis 51) aus Renouards „Annales de l’Imprimerie des Aldes“ (II, 343 bis 383) Aldus’ hauptsächliche Drucke und Verlagswerke alphabetisch zusammengestellt. Da indessen die Zeitfolge ihrer Veröffentlichung ein übersichtlicheres Bild von Aldus’ planmäßiger Thätigkeit bietet, so möge diese Liste im Anhange unter VIII in chronologischer

Empfohlene Zitierweise:
Friedrich Kapp: Geschichte des Deutschen Buchhandels Band 1. Verlag des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler, Leipzig 1886, Seite 383. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Geschichte_des_Dt_Buchhandels_1_06.djvu/024&oldid=- (Version vom 1.8.2018)