Seite:Geschichte des Dt Buchhandels 1 06.djvu/036

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in der Form der Scholastik, den Hauptinhalt der Lehrtätigkeit. Paris, die Universität der Theologie, nicht aber Bologna, die Universität der Juristen, war das Vorbild der deutschen Hochschulen gewesen. Fast überall befand sich die Kanzlerwürde im Besitz von Geistlichen und bis ins 16. Jahrhundert hinein waren alle Lehrstühle ausschließlich in den Händen von Klerikern. Noch 1523 mußte der Rektor ein Kleriker sein und in Heidelberg wurde erst nach schwerem Kampfe durchgesetzt, daß ein Laie eine Professur der Medizin erhielt.

Zu einer Zeit also, wo der Scholastizismus noch die Universitäten beherrschte, siegte der neue wissenschaftliche Geist in Erfurt. Seine Universität war (1392) die Schöpfung einer freien Bürgerschaft und trug von Anfang an das Gepräge ihres Ursprungs an sich. Der erfurter Humanismus feierte 1520 in dem Rektorat des Humanisten Crotus Rubianus den vollendetsten und letzten Sieg. Publicius Rufus, ein Florentiner, war es, der hier den ersten Samen klassischer Bildung ausstreute; hervorragende Professoren an der Universität, wie Gode und Trutvetter, Luthers Lehrer, vertraten die neue Richtung, und bedeutende Männer, wie Johann von Dalberg, verpflanzten sie von hier aus weiter. Zu Anfang des neuen Jahrhunderts, im September 1501, erschien auf Veranlassung des Nikolaus Marschalk in Erfurt, zuerst unter allen deutschen Städten, das erste in griechischer Sprache, aber noch ohne Accente gedruckte Buch „Prisciani grammaticorum facile princips Περι συνταξεως“. In demselben Jahre folgten dieser Erstlingsschrift noch zwei andere, während Wittenberg und Tübingen erst 1511 und 1512 griechische Drucke veröffentlichten. Der erfurter Verleger, Wolfgang Schenck (vorher in Leipzig ansässig), nennt sich auf seinen Verlagsartikeln auch Lupambetus Ganymedes oder Οινοχόον oder auch Pocitator.[1] Diese Annahme klassischer Namen beweist, daß ihre Träger mit Bewußtsein im Dienste der neuen Richtung standen; diese hob den litterarischen Verkehr von Tag zu Tag mehr und mehr, sodaß der erfurter Verlags- und Sortimentshandel bald eine besondere Bedeutung gewann. Außer dem bereits genannten Schenck sind schon im Anfang des 16. Jahrhunderts thätig: Sartorius, Mathias Maler, Stribilita, Knapp, Goldhammer, Melchior Sachs, Wolfgang und Servatius Sturmer. Sie führten fast alle auch antikisierte Namen; Hans Knapp nannte sich z. B. Cn. Appius. Welches der eigentliche Name von Stribilita war, läßt sich schwer erraten.


Fußnoten

  1. Daselbst I, 64.


Empfohlene Zitierweise:
Friedrich Kapp: Geschichte des Deutschen Buchhandels Band 1. Verlag des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler, Leipzig 1886, Seite 395. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Geschichte_des_Dt_Buchhandels_1_06.djvu/036&oldid=- (Version vom 1.8.2018)