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deshalb auch ein großes Interesse daran, mit deutschen Kollegen anzuknüpfen, mit deutschen Gelehrten in Verbindung zu treten und einen Teil ihrer Einnahmen in deutschen Verlagswerken anzulegen. In welcher Stadt hätten sie das besser thun können als in Frankfurt a. M.? Waren doch auch die Kommanditen deutscher Verleger im Auslande, z. B. die Kobergers und Hittorp-Hornckens in Paris, vor dem Jahre 1520 eingegangen. Johann Schabeler aus Bottwar, früher Drucker in Basel und Lyon, dann Vertreter von Johann Amerbach in Paris, wanderte von einer Messe zur andern und besuchte zu Anfang des Jahrhunderts auch Frankfurt. Hans Koberger ritt 1504 von Lyon zur Messe dahin – allerdings im Interesse des nürnberger Hauses – und Jean Vaugris, ein lyoner Buchhändler, war dort in der Herbstmesse 1524 ebenfalls anwesend. Jakob du Puys von Paris besuchte in den vierziger Jahren zweimal im Jahre die baseler und frankfurter Messen und kaufte 1548 unter anderm Thomas Platter in Basel dessen Büchervorräte ab; noch 1565 stand er mit Sigismund Feyerabend in Frankfurt a. M. im Geschäftsverkehr. „Er spricht deutlich, welches er in Basel gelernt hat“, so schildert ihn Tanner, „ist ein gewandter, verschmitzter Kerl, der sich auf jede Weise einzuschmeicheln weiß und kein Vertrauen verdiente, wenn die Früchte, die er täglich aus den baseler Büchern genießt, ihm nicht rieten, sich den Baselern gegenüber billiger zu benehmen.“ Wenn nun schon in der Mitte des Jahrhunderts lyoneser, pariser, genfer, antwerpener und löwener Firmen in Frankfurt auf den Messen vertreten sind, so deutet diese Thatsache auf eine alte Praxis, deren Anfänge voraussichtlich bis in die frühesten Meßzeiten zurückreichen.

Den ersten festen Anhaltspunkt für diesen Rückschluß bietet das Rechnungsbuch der baseler Firma Froben und Episcopius aus den Jahren 1557 bis 1564. Es erscheinen gleich im Herbst 1557 und noch in den folgenden Messen, soweit die Unterlagen erhalten sind, in den Büchern dieses Hauses: Clemens Baudouin und G. Roville aus Lyon (ersterer hatte gleichzeitig auch in Leipzig eine durch Jakob Apel vertretene Niederlage); Joh. Fouchier, Jakob Dupuys, Sebastian Nivelle und Andreas Wechel aus Paris; Nic. Barbier und J. Guychette aus Genf; Johann von Loe, Johann Steels, Johann Beller, Martin Nutius und vor allen Christoph Plantin aus Antwerpen, sowie Buchhändler aus Löwen, Amsterdam und Utrecht.

Empfohlene Zitierweise:
Friedrich Kapp: Geschichte des Deutschen Buchhandels Band 1. Verlag des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler, Leipzig 1886, Seite 459. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Geschichte_des_Dt_Buchhandels_1_08.djvu/012&oldid=- (Version vom 1.8.2018)