Seite:Geschichte des Dt Buchhandels 1 08.djvu/029

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Sendungen transito nach dem Osten. Schon seit den zwanziger Jahren des 16. Jahrhundert brachte Melchior Lotter in Leipzig „ravensburger“ Papier für den leipziger Rat von der frankfurter Messe mit nach Hause, schon vor ihm hatte Dominikus Ponat (selbst Papiermüller, anfänglich in Leipzig, dann in Mühlhausen i. Th.) solches in vorzüglicher Qualität, ja selbst – die leipziger Stadtkassenrechnungen zweier Jahre erweisen es durch den Augenschein – italienisches Fabrikat geliefert. Nickel Wolrabe in Leipzig bietet 1539 wegen des bedeutenden Bedarfs für seine weitaussehenden Unternehmungen alles auf, um Kredit bei den Ingoltern in Straßburg zu erlangen; in den fünfziger Jahren schießt der leipziger Rat Valentin Bapsts Witwe sogar 200 Gulden ausdrücklich zu dem Zweck vor, um auf der frankfurter Messe Papier einkaufen zu können, bringt Lorenz Finckelthaus in Leipzig seinen Papierbedarf von dort mit. Zwölf Ballen „verfaulen“ letzterm das eine mal allein auf dem Transport, sodaß sie kaum zu „Mackelthur“ zu gebrauchen sind.[1] Auch der Papierbedarf für die jenaer Ausgabe von Luthers Werken wurde, jedenfalls über Frankfurt, von Barbirius und Gabriel Fritz in Genf und aus andern Quellen jener Gegend bezogen.

Die Hauptbezugsquellen für die Papierhändler bildeten aber Thann im Elsaß, Epinal in Burgund und dann Lothringen. Alles aus und über Frankfurt bezogene Papier wurde dabei, selbst von norddeutschen Geschäftsleuten, zu 12 Ries pro Ballen gehandelt, nur norddeutsches zu 10 Ries. Fraglich bleibt es dabei, wann sich der Unterschied in der Bogenzahl des Ries Schreib- oder Druckpapier (480, beziehungsweise 500) gebildet hat, oder ob das Ries in der Zeit, in der man nur geleimtes Papier kannte, auch schon nur 480 Bogen enthielt. Die Abwickelung der Zahlungsverpflichtungen für diese Geschäfte bildete natürlich auch einen Teil der Meßarbeit.

Aber manche Buchhändler kauften das Papier nicht nur für den eigenen Bedarf, sie trieben vielfach sogar einen nicht unansehnlichen Zwischenhandel damit, ein Nebengeschäft, welches von alters her mehr oder weniger mit dem Buchhandel verbunden gewesen war; die Buchführer in Breslau betonen dies ausdrücklich in ihren Streitigkeiten mit dem dortigen Buchdrucker Georg Baumann.[2] Sehr bedeutend war dies Nebengeschäft z. B. bei Nickel Nerlich in Leipzig und dem namhaftesten Verleger Wittenbergs im letzten Drittel des 16. Jahrhunderts, bei Samuel


Fußnoten

  1. Nach Excerpten A. Kirchhoffs aus dem leipziger Stadtarchiv. (In der Bibliothek des Börsenvereins.)
  2. Archiv VI, 112.


Empfohlene Zitierweise:
Friedrich Kapp: Geschichte des Deutschen Buchhandels Band 1. Verlag des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler, Leipzig 1886, Seite 476. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Geschichte_des_Dt_Buchhandels_1_08.djvu/029&oldid=- (Version vom 1.8.2018)