Seite:Geschichte des Dt Buchhandels 1 08.djvu/030

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Seelfisch; auch Johann Oporin in Basel pflegte es. Seelfisch hielt Lager in Frankfurt a. M. und Wittenberg, Lager von solchem Umfang, daß er Abschlüsse bis zu 100 Ballen eingehen konnte. Die Abschlüsse und Lieferungstermine aber waren die Messen: wiederholt vertröstet er Leonhard Thurneyser in Berlin, einen seiner Hauptkunden, für weitere Lieferungen auf die nächste Messe. Spesen oder Verdienst waren bei diesen Transaktionen so bedeutend, daß für Leipzig die doppelten Papierpreise galten, wie für Frankfurt.[1]

Waren aber alle diese Geschäfte abgewickelt, dann galt es noch, das eigene wieder in die gehörige Ordnung zu bringen: das zurückbleibende Lager wieder in Stand zu setzen, die Meßregister in alphabetischer Folge der Konten der einzelnen Firmen ins Reine zu schreiben; denn in der Hast der eigentlichen Meßwoche wurde wohl nur eine fliegende Kladde geführt. Das Meßregister Sigismund Feyerabends von 1565 läßt dies deutlich erkennen; es nennt sich selber „Copey oder Abschrift“. So verlängerte sich denn der Aufenthalt der fremden Buchhändler an den Meßplätzen wohl oft genug über die eigentliche Meßzeit hinaus und wurde dann der Sortimentsvertrieb, der direkte Verkehr mit dem Publikum, gern fortzusetzen gesucht, obschon er – wenigstens in Leipzig – herkömmlich auf eine einzige Woche beschränkt war. Frühzeitig entwickelten sich daraus schon Streitigkeiten. Es muß dahingestellt bleiben, inwieweit dies auch für Frankfurt zutreffend ist; in Leipzig aber traten bereits 1556 die einheimischen Buchhändler deshalb gegen Clemens Baudouin aus Lyon mit Beschwerden bei dem Rat der Stadt auf. Nur im verschlossenen Laden (camera clausa) durfte er fernerhin nach Schluß der Messe vom Lager abgeben, und noch hundert Jahre später erging es Clemens Schleich von Frankfurt und Hanau ganz ebenso, als auch er seinen Geschäftsbetrieb in Leipzig über die Meßzeit auszudehnen versuchte. Durch Erwerbung des Bürgerrechts zu seinem Ziele zu gelangen, war für ihn unmöglich; er war „differenter Religion“, nämlich ein Reformierter.

Was die Frequenz der Messen und den Umfang der Geschäfte auf denselben anbetrifft, so fehlt es leider an genügendem Material, um sich davon ein auch nur annähernd treues Bild gestalten zu können. Das im Dokumentenanhang unter IX abgedruckte Verzeichnis der in der Herbstmesse 1569 vor den frankfurter Rat beschiedenen „Buchdrucker,


Fußnoten

  1. Daselbst II, 57–62.


Empfohlene Zitierweise:
Friedrich Kapp: Geschichte des Deutschen Buchhandels Band 1. Verlag des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler, Leipzig 1886, Seite 477. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Geschichte_des_Dt_Buchhandels_1_08.djvu/030&oldid=- (Version vom 1.8.2018)