Seite:Geschichte des Dt Buchhandels 1 10.djvu/036

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Mit letztern war man allerdings in Wien stets etwas zurückhaltend. Schon 1620 hatte der Bücherkommissar Joh. Ludwig von Hagen wegen gehabter Arbeit und Kosten „um ein geistliches oder weltliches Honorarium“ gebeten, aber erst am 19. August 1631 erhielt er eine Pension von 500 bis 600 Gulden zugebilligt. Er mußte die „unter Lebensgefahr“ bewältige Arbeitslast ins Gefecht führen, seine Sorgfalt in Vorbereitung der kaiserlichen Mandate, bei der Unterdrückung der Famosschriften, sein Verdienst um die neue äußere Gestaltung des Meßkataloges und daß er die Pflichtexemplare auf seine Kosten nach Wien habe senden müssen, was übrigens, für die frühere Zeit wenigstens, eine Unwahrheit war. Die Dechanten der frankfurter Domkirche (Bartholomäus) bleiben selbstredend nicht hinter den Bestrebungen ihrer weltlichen Kollegen, der speyerschen Fiskale, zurück. Von diesen folgte auf den bereits erwähnten Karl Seiblin 1625 Dr. Gerhard Ebersheim, der sein Amt in Gemeinschaft mit dem bereits 1615 ernannten Domdechanten Johann Ludwig von Hagen bekleidete. Während er sich aber wenig um die Geschäfte bekümmerte, war letzterer bis zu seinem Tode, der erst gegen 1654 erfolgt sein muß, um so thätiger. Von 1637 an wirkte der speyersche Fiskal Dr. Jakob Bender mit ihm. Der Dr. med. Hörnigk, der später zum Katholizismus übertrat, hatte zwar schon 1649 an den Kaiser in buchhändlerischen Angelegenheiten berichtet, wurde aber erst 1655 nach dem Ableben Hagens an dessen Stelle zum wirklichen Bücherkommissar ernannt. Der Fiskal Dr. Philipp Werner von Emmerich folgte 1656 dem Dr. Bender. Hagen und Hörnigk waren die gehässigsten der bisher im Amte befindlichen Kommissare. Sie wurden aber bald noch überboten von Georg Friedrich Sperling, der 1661 seine Bestallung als Adjunkt erhielt und als Nachfolger Hörnigks in Aussicht genommen war. Dieser starb 1667; jener aber blieb zwanzig Jahre im Amt und wurde 1687 „aus erheblichen Ursachen“ entlassen. Er war ein gemeiner, zanksüchtiger und verächtlicher Mensch, dem eine so glimpfliche Behandlung sicherlich nie zuteil geworden wäre, wenn er nicht aufs rücksichtsloseste und herausforderndste die Jesuiten unterstützt hätte. Sein Nachfolger war Kaspar Vollmar, Dechant zu „Unsrer lieben Frauen“. Die genannten Kommissare bethätigten entweder auf Befehl des Kaisers oder im Einveständnis mit ihm ihren Diensteifer nach zwei Seiten hin: einmal in der Anmaßung einer straffen Censur, dann aber in eigenmächtigen Eingriffen

Empfohlene Zitierweise:
Friedrich Kapp: Geschichte des Deutschen Buchhandels Band 1. Verlag des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler, Leipzig 1886, Seite 643. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Geschichte_des_Dt_Buchhandels_1_10.djvu/036&oldid=- (Version vom 1.8.2018)