Seite:Gottfried August Bürger Gedichte 1778.pdf/49

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Sprache berufen sind. Jeglichen ihrer Gründe kan man mit irgend einem Gegenbeispiel aus der Sprache, welchem sie selbst folgen, zu Boden stossen. Wenn sie meinen, man müsse einen ungehörten Buchstaben, wegen unterschiedlicher Bedeutung einiger Wörter, die einerlei Klang haben, schreiben; so kan man ihnen, sowol aus unsrer, als allen andern Sprachen, hundert Beispiele darlegen, da Wörter von sehr verschiedener Bedeutung von ihnen selbst mit einerlei Buchstaben geschrieben werden. Sie schreiben lecken lambere, wie lecken exsultare. Warum könte nun nicht war, erat, und wahr, verum, beides ohne h geschrieben werden, da die Aussprache volkommen einerlei ist? Im Grunde widerspricht blos das Auge, welches doch allenfals schon Warheit, stat Wahrheit duldet. Komt mir nicht mit der Undeutlichkeit aufgezogen! Das ist die albernste Ziererei, die ich kenne. Ein Teutscher versteht seine Sprache, oder

Empfohlene Zitierweise:
Gottfried August Bürger: Gedichte. Johann Christian Dieterich, Göttingen 1778, Seite XVIII. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Gottfried_August_B%C3%BCrger_Gedichte_1778.pdf/49&oldid=- (Version vom 1.8.2018)