Seite:Heinrich Brandt - Ein ernstes Wort an Herrn Friedrich Dumhof.pdf/5

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einmal schlaue – Wendung, und fechten in der Luft, indem sie zuerst das alte, erbärmliche Liedlein über das Auswendiglernen der vielen Bibelstellen in den Schulen anstimmen. Fürwahr, ein eben so erbärmlicher, als nichtswürdiger Beweis, oder vielmehr eine erbärmliche und nichtswürdige Behauptung, für die Sie den Beweis schuldig geblieben sind, den Sie auch wegen Ihres früheren Standes nicht einmal aus eigener Erfahrung, sondern höchstens nur auf Hörensagen von Jugendfeinden führen können. Gesetzt aber auch, Ihre Behauptung wäre anwendbar auf einige Schullehrer und Pfarrer, was berechtigt Sie dann, auf alle Schullehrer und Pfarrer einen so groben Verdacht zu werfen? Wie es hinsichtlich des Auswendiglernens der Bibelstellen in katholischen Schulen und Kirchen gehalten wird, weiß ich nicht; wie es aber in unserer evangelisch-lutherischen Kirche, von der Sie nur wie ein Blinder von der Farbe oder als ein von Verläumdern Betrogener reden können, damit gehalten wird, weiß ich genau. Ich wirke bald vierzig Jahre, theils in Städten, theils auf dem Lande, im Predigerstande, und habe noch nie auch nur die geringste Klage von Seite christlich gesinnter Eltern darüber gehört, daß ihre Kinder mit Bibelsprüchen gemartert würden; ich war lange Zeit Dekan und Distrikts-Schulinspector, und habe als solcher mit vielen Schulen und Gemeinden verkehrt, aber nie erfahren, daß weder über einen Schullehrer, noch über einen Geistlichen in diesem Punkte eine Klage geführt worden wäre. Die in unsern Schulen und Kirchen eingeführte Spruchsammlung