Seite:Hermann von Bezzel - Christentum und Kreuz.pdf/6

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Sänger des Glaubensliedes ein Mann der Kompromisse, und der Schöpfer unseres Katechismus, des größten Volksbuchs, ein in den Vorhöfen der Großen um Anerkennung werbender Höfling, dem nicht unsere Ehrerbietung, sondern im günstigsten Falle Mitleid, schlimmer noch Verachtung gebührte. Auch von dem Glaubens begriff, den er verwarf, als ob Glaube ein Sichanpassen an eine Summe von Überlieferungen wäre, hat er wahrlich nichts uns überkommen, der Mann, der bereit war, die höchsten Evangelien zu verwerfen, wenn sie nicht Christum predigen, und die Schrift eines Judas Ischarioth anerkannt hätte, wenn sie Christum triebe. Man hat als sein letztes Vermächtnis die lateinischen Worte auf dem Schreibtisch gefunden: „Daß niemand die heilige Schrift genugsam verschmeckt zu haben glaube, er habe denn hundert Jahre lang mit Christo und den Aposteln die Gemeinde regiert.“ Man mag sich wohl das Wort eines dem Tode Nahen merken: „wir sind Bettler, das ist wahr,“ und das Gebet zu Herzen fassen: „Ich danke Dir, himmlischer Vater, daß Du mir Deinen lieben Sohn Jesum Christum geoffenbaret hast, den ich geprediget und bekannt, den ich geliebt und gelobt habe“, und dessen sich erinnern, daß der unter dem Kreuze seines Heilandes mit Lebenskraft und der Aufgabe seines Lebens betraute Lehrer der Deutschen, der Größte seit der Apostel Zeiten, sich des Einen rühmen durfte, die ganze Welt werde noch einmal überzeugt werden, daß Gott ihn darum gesandt habe, reine Wahrheit und Beständigkeit und rechte Erkenntnis Jesu zu verkünden.

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 Wenn es nun meine Aufgabe wäre, mit kurzen Worten die Theologie Luthers zu kennzeichnen, so würde ich auf seine Heidelberger Thesen vom Jahre 1518 zurückgreifen, in denen er von der Theologie der Ehren

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Hermann von Bezzel: Christentum und Kreuz. Trowitzsch & Sohn, Berlin 1912, Seite 4. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Hermann_von_Bezzel_-_Christentum_und_Kreuz.pdf/6&oldid=- (Version vom 1.8.2018)