Seite:Hermann von Bezzel - Die sieben Sendschreiben.pdf/83

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wieder auferwecken, daß du lebst.“ Nun soll Sardes Einblick in sein Wesen tun; denn seine Werke sind nicht erfüllt vor Gott. Bengel in seiner deutlichen Weise erklärt so: „Auch das ärmste Veilchen am Wege, wenn es wirklich ist, was es sein soll, gilt vor dem Herrn, während die Blumen, die nur halb ihre Blätter zeigen, nichts sind. Sei das, was du sein sollst, ganz und decke nicht deine Lücken mit den Worten zu!“ In Smyrna ist von der ausharrenden Treue in der Enge und Beschränktheit die Rede; in Thyatira von den kleinen Kreisen, in denen ein Christenleben sich vollzieht, aber bei dieser Gemeinde zu Sardes heißt es: Werde tiefer! Siehe nicht mehr auf das, was du scheinst! Mit andern Worten: „Mein Christ, trage mehr unter dem Urteil, daß man dich für besser hält, als du bist. Trage schwer an allen günstigen Urteilen! Wahrlich, es ist leichter unter ungünstigem Urteil zu stehen, von dem ein Christ sagen kann: „Herr, du weißt, wie ich es meine“, als unter günstigem Urteile zu leiden, das man schließlich für berechtigt hält. Gott schenke es uns jetzt schon, damit wir nicht einmal plötzlich ein so einschneidendes Wort, eine so furchtbare Ueberraschung erfahren müssen: „Du Narr, du glaubtest zu leben, du lässest dir vorreden, daß du lebst und du bist tot.“ Meint man nicht hier, im Geistlichen zu hören, was der Herr Jesus Lukas 12 mehr aufs Aeußere hin spricht von dem Manne, der seine Scheuern reich gefüllt hatte und zu seiner Seele sagte: „Liebe Seele, du hast einen Vorrrat an Lebenskraft und Lebensgut.“ Und der Herr kommt in der Nacht und spricht, daß er die Lebenskraft nehmen und die Lebensvorräte entleeren will. „Diese Nacht wird deine Seele von dir genommen werden.“ (Luk. 12, 20).