Seite:Hermann von Bezzel - Die sieben Sendschreiben.pdf/91

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Jesum Christum lieb hat, das hat ein ganzes Werk getan.“ Und der bedeutendste Mensch, der bloß die Anfänge sich genügen läßt, und auf solche Anfänge sein Scheinwesen baut, hat nur ein halbes Werk getan. „Ich habe deine Werke nicht erfüllt gefunden“ d. h. sie haben nicht das ausgefüllt, was sie gesollt; der Kreis, in den du gestellt bist, ist mit Phrasen überbrückt. Wo ist deine Pflichttreue, deine Aufopferung? Lauter schöne Anfänge, aber das andere ist Schein.

 Während die römische Kirche nie Buße tut, sondern nur lobt, was man erreicht, welche Einflüsse man gewonnen habe, heißt es doch in der evangelischen Kirche: „Wir haben gesündigt an Gott.“ Wenn aber auch evangelische Kreise zusammenkommen, dann geht es aber doch auch, wie Claudius sagt: „Der A. lobt den B., damit der B. den A. wieder lobe.“ Einer spendet dem andern so viel Lob, bis er wieder Atem schöpft und der andere ihn lobt. Die römische Kirche zur Zeit der Reformation war noch ganz voller Herrlichkeit. Wie geordnet war alles, ihre Priesterschaft war ganz um Rom geschart. Und doch hat Gott zu der Kirche gesagt: „Deine Werke sind nicht völlig vor mir!“ Wohl dem Menschen, der an die Hauptsache denkt! Die Hauptsache ist, daß ich ganz mit Gott eins werde, ganz mit ihm lebe.

 „Deine Werke sind nicht erfüllt vor Gott,“ spricht Jesus Christus, aber: Ich habe einige Namen in Sardes, die nicht ihre Kleider besudelt haben“. (V. 4) Diese wenigen Namen, die er allein kennt, diese lauteren, nüchternen Leute, die will er retten, wenn das Gros der Gemeinde sich nicht zur Buße kehrt. „Denkst du nicht mehr daran, so werde